US-Interessen für Präsident Trump immer an erster Stelle

(Aktualsierte Zusammenfassung, neu: Parade zum Weissen Haus, Zahl der Festnahmen, 5. und zweitletzter Abschnitt) - Der 45. US-Präsident Donald Trump will einen radikalen Kurswechsel, mit dem absoluten Vorrang für US-Interessen. In seiner Antrittsrede grenzte er sich massiv von der Politik seines Vorgängers Barack Obama ab.
20.01.2017 22:43

Die "Vergessenen" in den USA würden nicht länger vergessen werden, versprach Trump am Freitag nach seiner Vereidigung. Mit diesem Tag werde nicht nur die Macht von einer Regierung an die nächste weitergegeben. Vielmehr werde die Macht aus der Hauptstadt an die Bevölkerung zurückgereicht. Politiker hätten zu lange im Wohlstand gelebt, während Jobs verloren gingen und Fabriken schliessen mussten.

Fortan gälten zwei einfache Regeln: "buy american and hire american" ("kauft amerikanisch und stellt Amerikaner an"). Die Zeit von leerem Gerede sei nun zu Ende. Jetzt folge die Zeit des Handelns. "Wir haben andere Länder reich gemacht", sagte er, während eine Fabrik nach der anderen in den USA geschlossen habe.

In jedem Teil des Landes solle nun eine neue Vision das Land regieren: "America first - America first" ("Amerika zuerst - Amerika zuerst"). Jede Entscheidung werde dieser Maxime gehorchen, ob in der Wirtschaft oder der Aussenpolitik. "Ich werde mit jeder Faser meines Herzens kämpfen. Ich werde Euch niemals im Stich lassen."

Auch die Kriminalität in den USA wolle er bekämpfen. Die USA hätten viel zu lange unter Verbrechen, Drogen und Bandenkriminalität gelitten. "Dieses amerikanische Gemetzel hört heute auf." Dasselbe versprach er im Kampf gegen den islamistische Terrorismus: Dieser werde "völlig vom Antlitz der Erde verschwinden".

Nach einem Mittagessen im Kapitol brach Trump begleitet von einer grossen Parade zum Weissen Haus auf. Der prachtvolle Zug startete mit einstündiger Verspätung. Die Strecke war von Zehntausenden Menschen gesäumt. Direkt zuvor hatte Trump eine Truppenparade abgenommen.

Mit Hillary Clinton

Der 70-jährige Trump legte vor seiner Rede den Amtseid vor dem Obersten Richter der USA, John Roberts, ab. Vor Trump war Mike Pence von Clarence Thomas, Richter am Obersten Gerichtshof der USA, zum Vize-Präsidenten vereidigt worden.

An der Vereidigung nahm zahlreiche US-Politprominenz teil, darunter die Ex-Präsidenten Jimmy Carter, George W. Bush und Bill Clinton. Dieser kam mit seiner Frau Hillary Clinton, die bei den Wahlen Trump unterlegen war. Sie nehme aus Respekt vor der Demokratie und deren Werte an der Amtseinführung teil, teilte sie mit.

Der Tag der Amtseinführung folgte einem strengen Protokoll. Donald und Melania Trump begannen den offiziellen Teil ihres Tages mit einem Kirchgang. Anschliessend wurden sie von Barack und Michelle Obama im Weissen Haus zum Tee empfangen.

Obamas in den Ferien

Kurz davor hatte Obama ein letztes Mal das Oval Office aufgesucht, Büro und Machtzentrum des US-Präsidenten. Dort hinterlegte er einen Brief auf dem Schreibtisch. Es gehört zur Tradition, dass der scheidende US-Präsident eine Notiz für seinen Nachfolger hinterlässt.

Die Obamas begleiteten dann die Trumps zum Kapitol, wo die Vereidigung stattfand. Nach der Zeremonie trennten sich ihre Wege. Begleitet vom neuen Präsidentenpaar verabschiedeten sich Barack und Michelle Obama bestiegen einen Helikopter und reisten in die Ferien nach Palm Springs in Kalifornien. Auf Donald und Melania Trump warteten die Parade zum Weissen Haus und Feierlichkeiten mit Bällen bis in die Nacht.

In Washington, wo hunderttausende der Amtseinführung beiwohnten, herrschten am Freitag erhöhte Sicherheitsmassnahmen, grosse Teile der Innenstadt waren durch Beton- und Metallbarrikaden für den Autoverkehr abgesperrt. Laut den Behördenangaben waren rund 28'000 Sicherheitsbeamte im Einsatz sein.

Randale im Stadtzentrum

Kurz vor Trumps Vereidigung gab es friedliche und auch gewaltsame Proteste. Mehrere hundert schwarz gekleidete und vermummte Demonstranten zogen randalierend durch das Zentrum der US-Hauptstadt. Die Trump-Gegner warfen Steine und zerstörten Schaufensterscheiben. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. 95 Menschen wurden festgenommen, wie ein Polizeisprecher sagte.

Trump ist zu seinem Amtsantritt einer der umstrittensten Präsidenten der US-Geschichte. Er kommt in Umfragen auf eine Zustimmung von 40 Prozent, so niedrig war nur Jimmy Carter bei seinem Amtsantritt vor 40 Jahren. Für Samstag war eine Grosskundgebung gegen Trump in Washington angesetzt.

(AWP)