Hügli meint

Vergütungen für Topmanager - Banker-Boni - war da mal was?

Die Vergütungen von Top-Managern der Credit Suisse steigen trotz Milliardenverlust der Bank – und kaum jemand nimmt das noch richtig zur Kenntnis. Alles bene für Wirtschaft und Banken? Nein. Es ist ein Alarmsignal.
30.03.2017 08:50
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Die Credit Suisse ist im letzten Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Es resultierte ein Verlust von fast 3 Milliarden Franken. Trotzdem verdiente Konzernchef Tidjane Thiam mit 11,9 Millionen Franken deutlich mehr als im Vorjahr.

Bei der UBS ging der Reingewinn im Geschäftsjahr 2016 um fast die Hälfte zurück. An der Vergütung von CEO Sergio Ermotti änderte sich aber nur wenig. Die durchschnittliche Vergütung der zwölfköpfigen Geschäftsleitung stieg pro Kopf sogar um über zehn Prozent.

Die Reaktion der Schweizer Öffentlichkeit? Allenfalls ein Achselzucken. Nichts ist heute mehr zu vernehmen von einer allgemeinen Boni-Empörung wie noch vor drei, vier oder mehr Jahren.

Woran liegt das? Dass es den Banken wieder besser geht und dass die Finanzkrise langsam aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwindet? Vielleicht.

Als Erklärung naheliegender ist wohl eher Resignation. Darüber, dass sich bei den Vergütungen der Banken-Top-Manager kaum etwas geändert hat – trotz Abzocker-Initiative, trotz Appellen an die Eigenverantwortung der Unternehmen, trotz aktiverer Aktionäre. Es verfestigt sich beim so genannten Normalbürger der Eindruck, dass die Boni bei Gewinnsteigerungen überproportional steigen - und bei Verlusten und Gewinnrückgängen nicht oder kaum tangiert sind.

Resignative Töne sind auch bei FDP-Präsidentin Petra Gössi herauszuhören. Sie hält die Boni bei der Credit Suisse für "nicht erklärbar". Damit würde das Vertrauen in die Banken "nicht gestärkt". Gössis Äusserungen drücken auch Hilflosigkeit aus - und Angst. Denn die nicht erklärbaren Vergütungen der Grossbanken prallen auf die verbreitet steigende Skepsis der Mittelklasse gegenüber Eliten.

Die nächsten wichtigen Abstimmungen, bei denen Positionen der Wirtschaft durchgesetzt werden sollen - sie kommen. Das Stimmvolk in der Schweiz ist in den letzten Jahren bei derart gelagerten Urnengängen äusserst unberechenbar geworden. Die jüngsten Entwicklungen im Boni-Wesen tragen nicht dazu bei, den Trend umzukehren. Banken und Wirtschaftsverbände sollten die scheinbare Gleichgültigkeit der Leute nicht mit Erleichterung, sondern mit Besorgnis aufnehmen.