Versicherungsbranche - Swiss Re-Verwaltungsratspräsident: Es wird Nachwehen aus der Pandemie geben

Der scheidende Verwaltungsratspräsident der Swiss Re, Walter Kielholz, rechnet in der Versicherungsbranche mit Nachwehen aus der Corona-Pandemie. Aber auch auf anderen Gebieten verändere sich das Umfeld.
15.04.2021 06:12
Walter Kielholz amtiert seit 2009 als Verwaltungsratspräsident der Swiss Re.
Walter Kielholz amtiert seit 2009 als Verwaltungsratspräsident der Swiss Re.
Bild: www.swissre.com

Überrascht habe, dass das Hauptrisiko nicht aus der Pandemie selbst kam, sondern aus den behördlichen Reaktionen darauf, also aus den Betriebsunterbrechungen. "Das hatten wir vorher nicht richtig verstanden - und mussten dafür teuer bezahlen", sagte Kielholz in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Ausgabe 15.04.). Dafür, dass Veranstalter von Grossereignissen jetzt keine Ausfallversicherung mehr im Markt finden, gebe es im Moment noch keine Lösung.

"Der Klimawandel verändert das Risikoprofil in unserer Branche vermutlich am stärksten. Nicht zu unterschätzen ist auch das Feld Cyberattacken. Dort schlummern kriegsähnliche Risiken", so der VRP.

Kielholz demonstriert zudem Vertrauen in seinen designierten Nachfolger. "Sergio Ermotti ist ein ausgewiesener Kenner des Anlagegeschäfts, das ist schon eine sehr grosse Stütze. Und die Grundsätze der Rückversicherung wird er schnell lernen."

In dem Gespräch nimmt Kielholz auch zu einer Reihe von politischen Themen Stellung, so etwa zum EU-Rahmenabkommen. "Die Schweizer Industrie und die Wissenschaft brauchen dringend eine enge Zusammenarbeit mit der EU." Die bilateralen Verträge seien aber veraltet und es sei vernünftig, eine dynamische Übernahme von EU-Recht zu vereinbaren und einen Streitschlichtungsprozess einzuführen. Die Guillotine-Klausel, mit der alle Abkommen hinfällig werden wenn ein Teilvertrag gekündigt wird, stört ihn jedoch.

Auch die Menschenrechtslage in China und anderen Ländern ist Thema. Der Manager ist Komiteemitglied von Human Rights Watch in der Schweiz. "Der Macht ins Gesicht zu schauen erfordert sehr viel Mut." Dabei gehe es jedoch um Herausforderungen eminent politischer Natur, die in erster Linie von Regierungsverantwortlichen und internationalen Institutionen angegangen werden müssten, betont Kielholz.

(AWP)

 
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