Kolumne

Vorsorge - Kinderrenten treiben AHV-Ausgaben in die Höhe

Kinderrenten sind wie die Witwenrenten eine äusserst emotionale Angelegenheit. Mit sachlichen Argumenten kann man dagegen kaum ankämpfen.
02.06.2019 22:35
Von Claude Chatelain
Kinderrenten treiben AHV-Ausgaben in die Höhe
Bild: Shane Wilkinson

 

Die Kolumne "Gopfried Stutz" erschien zuerst im 

Vielleicht haben Sie schon von der Kinderrente gehört und dabei an Renten für Kinder gedacht. Falsch: Bei dieser Wortschöpfung handelt es sich um Renten für Eltern, die eine AHV- oder IV-Rente beziehen und noch Kinder unter 18 Jahren oder in Ausbildung befindliche Jugendliche unter 25 Jahren haben. 

Die Kinderrente der AHV beträgt 40 Prozent der AHV-Rente: Im Maximum sind das derzeit 948 Franken pro Monat. Und wer noch eine Pensionskasse hat, kann mit weiteren Hunderten von Franken rechnen. All das pro Kind, das noch nicht 18 oder je nach Ausbildung noch nicht 25 Jahre alt ist. Man mag darüber streiten, ob das viel ist oder wenig. Sicher ist aber: Es ist ein Vielfaches dessen, was erwerbstätige Eltern an Kinderzulagen erhalten.

Schon vor acht Jahren wollte der damalige SVP-Nationalrat und heutige Bundesrat Guy Parmelin die  Kinderrente mit einer Motion abschaffen. Der Bundesrat winkte ab. Die Zeit schien nicht reif dafür.

Im Vorfeld der grossen Rentenreform, die im September 2017 an der Urne leider scheiterte, wagte der Nationalrat einen weiteren Versuch, die Renten für Seniorenväter anzutasten. Doch weil man nicht zu viele Fronten schaffen wollte, sah man davon ab. Es zeigte sich, Kinderrenten sind wie die Witwenrenten eine äusserst emotionale Angelegenheit. Mit sachlichen Argumenten kann man dagegen kaum ankämpfen.

In der AHV-Revision, deren Vernehmlassung im Herbst letzten Jahres abgeschlossen wurde, war die Kinderrente kein Thema. Ein Thema war sie dafür Ende Oktober in der Sozialkommission des Nationalrats. Ihre Mehrheit will zwar keine Streichung, doch immerhin eine Kürzung von 40 auf 30 Prozent der AHV-Rente. Zudem will sie den verwirrenden Namen Kinderrente in «Zulage für Eltern» umbenennen.  

Der Nationalrat hat sich bereits für diese Änderungen ausgesprochen. Der Ball liegt nun beim Ständerat.

Und so steigen die Ausgaben der AHV für diese Renten munter weiter, da immer mehr Männer auch im fortgeschrittenen Alter noch Kinder zeugen oder in einer zweiten Runde jüngere Frauen mit Kindern heiraten und Letztere adoptieren.

Zahlte die AHV 2001 für Papi-Renten 67 Millionen Franken, waren es 2010 bereits 132 Millionen und 2017 über 184 Millionen Franken. Klar, auch Mütter kriegen mitunter Kinderrenten, biologisch bedingt sind sie aber krass untervertreten.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Ein Drittel der 26'200 ausbezahlten Kinderrenten floss 2017 ins Ausland. Die meisten, gut 1500, gingen nach Frankreich, gefolgt von Italien und Deutschland. Interessant ist auch der Vergleich der prozentualen Zunahme seit 2010: Unangefochtener Spitzenreiter ist hier Thailand. 2010 gingen 182 Kinderrenten ins Ferien- und Rentnerparadies; 2017 waren es bereits 420, mehr als eine Verdoppelung. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

 

Claude Chatelain

Claude Chatelain (geb. 1953) ist Kolumnist beim «SonntagsBlick». In der Kolumne «Gopfried Stutz» beschreibt er wöchentlich seine Beobachtungen auf dem Gebiet der Vorsorge, der Versicherungen und der Anlageberatung. Zuvor schrieb der langjährige Wirtschaftsjournalist für die Wirtschaftszeitung Cash und die «Berner Zeitung». Von 1991 bis 1998 betreute der studierte Ökonom im «Blick» die Ratgeber-Kolumne «Chatelain rät».