Was Fintech-Startups von der Schweiz halten

Viele junge Fintech-Unternehmen halten die Schweizer Bankenbranche auf Trab. Doch wie nehmen die Startups selbst das hiesige Umfeld wahr? Ein Überblick anhand von fünf Beispielen.
15.10.2015 12:14
Das Banking der Zukunft: Ein Tablet ersetzt den Berater.
Das Banking der Zukunft: Ein Tablet ersetzt den Berater.
Bild: ZVG

In der Schweizer Fintech-Szene tut sich derzeit einiges. Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass eine Online-Vermögensverwaltung aus der Taufe gehoben oder ein digitales Zahlungsmittel vorgestellt wird. Jüngstes Beispiel ist die Uhrenmarke Swatch, die in China in Zusammenarbeit mit zwei Banken eine Uhr mit Bezahlfunktion lanciert. Die Uhr soll in einem nächsten Schritt schon bald auch in der Schweiz und in den USA erhältlich sein. Zur sicheren Abwicklung der mit der Uhr getätigten Zahlungen sei man in der Schweiz eine Partnerschaft mit einer Schweizer Bank eingegangen, teilte Swatch mit.

Auch verschiedene Initiativen sollen die Schweiz zu einem attraktiven Standort für digitale Finanz-Dienstleister machen. Alleine in Zürich gibt es mehrere Standorte oder entsprechende Pläne für digitale Forschungslabors. Beispielsweise das Innovationszentrum F10, den Impact Hub, das Swiss Fintech Innovation Lab und die Initiative "Digital Zurich 2015".

Bereits gibt es eine beachtliche Zahl von Fintech-Startups, die dem Labor entwachsen und operativ tätig sind. Fünf solcher Unternehmer hat die IG Bank in einer aktuellen Fintech-Studie interviewt. Die Startup-Gründer berichten direkt von ihren eigenen Erfahrungen am Markt und äussern sich zu den Chancen, welche die Schweiz hinsichtlich Fintech bereithält und was in diesem Bereich noch verbessert werden kann.

Mangelndes Vertrauen in die Banken

Einer der bekanntesten Vertreter dieser Szene ist die Online-Vermögensverwaltung True Wealth des Digitec-Gründers Oliver Herren und des Physikers Felix Niederer. Für Niederer hat die Schweiz Vor- und Nachteile für Fintech-Startups: "Einerseits hat die Schweiz einen interessanten Markt, viele Schweizer Haushalte haben einen Anlagebedarf, wobei viele Anleger ein relativ hohes Finanzwissen haben. Gleichzeitig haben viele das Vertrauen in die Banken verloren", sagt er gegenüber der IG Bank.

Für Thomas Brändle, CEO von Run my Accounts, einem Anbieter von digitaler Buchhaltung, hat die Schweiz als Standort hingegen fast nur Vorteile: "Allgemein sind die Rahmenbedingungen in der Schweiz top: es gibt sehr gut qualifizierte Fachkräfte, eine liberale und unternehmerfreundliche Grundhaltung." Und fast noch wichtiger: Auf dem Finanzplatz gebe es enorm viel Know-how. Das sei die beste Grundlage, um zukunftsträchtige Fintech-Unternehme zu lancieren.

Finma und die Regulierung

Grosses Thema bei den Jungunternehmen ist auch die Regulierung. Immer wieder wird der Vorwurf laut, die regulatorischen Hürden für neue Finanzprodukte seien in der Schweiz zu hoch. Das behindere die Innovation. Dies obwohl Finma-Chef Mark Branson kürzlich in einem Referat sagte: "Der technologische Fortschritt birgt viel Potenzial für den Schweizer Finanzplatz. Die Regulierung sollte dabei den Wettbewerb der Ideen fördern, nicht behindern." So fordert Niederer von der schweizerischen Finanzmarktaufsicht (Finma) die Erlaubnis einer rein digitalen Kontoeröffnung und Identitätsprüfung.

Ein Abbau von Bürokratie wünscht sich auch Phil Lojacono von Advanon. Er konstatiert hohe rechtliche und administrative Kosten, die Ressourcen vom eigentlichen Produkt absorbierten. Dennoch fühlt sich der Kreditspezialist Advanon in der Schweiz wohl: "Unsere Erfahrungen bislang haben gezeigt, dass die Infrastruktur sehr gut ausgebaut ist, das Land als Arbeitgeber attraktiv ist und im Gegensatz zu vielen Behauptungen, Geld von Investoren vorhanden ist."

Besteuerung von Mitarbeitern

Was hingegen fast unisono kritisiert wird, ist die Gestaltung der Mitarbeiterbeteiligung bei Jungunternehmen. Diese sei derzeit noch nicht "Startup-freundlich" genug, sagt Jeremias Meier, CEO von Bexio. "Ich denke an die Erleichterung von Mitarbeiterbeteiligungsplänen oder die Abschaffung der Emissionsabgabe." Aus steuerlichen Aspekten sei die Beteiligung von Mitarbeitenden in der Schweiz aus Arbeitnehmersicht wenig attraktiv, sagt Matthias Wegmüller, Mitgründer von Qumram, zu diesem Thema. Deshalb sollten solche Aktien und Optionen nicht als Lohnbestandteile besteuert werden. "Dies muss unbedingt geändert werden, sonst können wir die IT-Talente im Wettbewerb mit Google und anderen schlicht und einfach nicht gewinnen", so Wegmüller.

Er sieht zudem in der Finanzierung ein Problem. Im Vergleich zu den USA beispielsweise sei man in der Schweiz stärker auf Eigenfinanzierung angewiesen. Das bremse das Wachstum. Doch es gehört zum Wesen von Startups, dass sie regelmässig scheitern. Im langjährigen Durchschnitt überlebt nur jede zweite Firmen-Neugründung. Es gibt aber Branchen, wo die Quote einiges höher ist. Im Projekt "Venture Kick", das sich auf Hochschulabgänger spezialisiert, können sich rund 80 Prozent der Jungunternehmen über Wasser halten.

(cash)

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