WEF 2017: Wohlstandsschere laut Oxfam-Studie so weit geöffnet wie nie

(Neu: Mehr Details) - Noch nie in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte war der Wohlstand weltweit so ungleich verteilt wie heute. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Entwicklungsorganisation Oxfam vor dem Start des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellt hat. Laut von Oxfam zusammengestellten Daten besitzen die acht reichsten Menschen der Welt - allesamt Männer - gemeinsam ein ähnlich grosses Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit. Das reichste Prozent der Menschheit besitzt demnach seit 2015 mehr als der gesamte Rest.
16.01.2017 11:04

Zugrunde liegen der am Montag veröffentlichten Studie Daten aus verschiedenen Quellen. So führte Oxfam etwa Forbes-Schätzungen zum Vermögen der acht reichsten Männer mit Schätzungen der Bank Credit Suisse zum weltweiten Vermögen zusammen. Auch wenn die Daten nicht immer 1:1 vergleichbar sind: Sie zeigen, dass die Ungleichheit über die Zeit weiter zugenommen hat.

Demnach wuchs das Einkommen weltweit von 1988 bis 2011 um rund 11,9 Billionen Euro. Die reichsten zehn Prozent profitierten davon am meisten. Auf sie entfiel laut der Daten mehr als 45 Prozent der Steigerung. In Deutschland lag der Zuwachs des reichsten Zehntels demnach bei 34 Prozent.

Die Organisation macht für die Ungleichheit politische und unternehmerische Fehlentwicklungen verantwortlich. Sie fordert, dass Staaten stärker kooperieren anstatt gegeneinander in einen Wettbewerb um die niedrigsten Unternehmenssteuern zu treten. Gleichzeitig sollen sie unternehmerisches Handeln fördern, das sich weniger auf Kapitalgeber und stärker auf Arbeiter und Umweltkosten konzentriert.

Angesichts wachsender sozialer Spannungen und Erfolgen von Populisten sucht das Weltwirtschaftsforum auf seiner 47. Jahrestagung nach "anpassungsfähiger und verantwortungsbewusster" Führung. Im Schweizer Wintersportort Davos diskutieren von diesem Dienstag an etwa 3000 Spitzenpolitiker, Top-Manager, Wissenschaftler und Chefs von Nichtregierungsorganisationen über Antworten auf aktuelle Probleme. Die Veranstaltung unter dem Motto "Responsive and Responsible Leadership" steht im Schatten der Amtsübernahme des neuen US-Präsidenten Donald Trump am 20. Januar, dem letzten Tag des Treffens.

So drehen sich zahlreiche Veranstaltungen um Trump und seinen Wirtschaftskurs. Aber auch die Zukunft der Europäischen Union nach dem Brexit-Votum der Briten nimmt grossen Raum ein - geplant ist auch eine Rede der britischen Premierministerin Theresa May.

Die Eröffnungsrede hält am Dienstag der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping. Er hatte sich im Vorfeld für Globalisierung und internationalen Freihandel stark gemacht und populistische Tendenzen kritisiert. Erwartet werden auch UN-Generalsekretär António Guterres sowie Dutzende Staats- und Regierungschefs. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird das zweite Jahr in Folge fernbleiben. Aus der Bundesregierung reisen Finanzminister Wolfgang Schäuble, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Gesundheitsminister Hermann Gröhe (alle CDU) an./smr/bvi/DP/stb

(AWP)