WEF: «Ein Kaffee mit Merkel liegt kaum drin»

Michael Hoferer, der neue Direktor des Steigenberger Belvédère in Davos, äussert sich im cash-Video-Interview zu seiner Premiere als WEF-Gastgeber und und den Sonderwünschen der Mächtigen, Reichen und Schönen.
23.01.2013 06:30
Von Pascal Meisser, Davos
Michael Hoferer ist der neue Direktor des Steigenberger Belvédère in Davos.
Bild: cash

Wenn heute Mittwoch das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos beginnt, steht das Steigenberger Belvédère einmal mehr im Mittelpunkt. Das Nobel-Hotel beherbergt zahlreiche Staatsoberhäupter, Firmenchefs und Prominente. Namen werden in der Regel nicht bekanntgegeben – zu gross sind die Sicherheitsbedenken im Traditionshaus, das während einigen Tagen mit Stacheldraht, Videokameras und Gepäckscanner zum Hochsicherheitstrakt wird. 

Michael Hoferer heisst der neue Hoteldirektor, und bei seiner Premiere als einer der wichtigsten Gastgeber während des WEF ist die Anspannung zu spüren. "Der Puls ist schon etwas hoch", sagt Hoferer im cash-Video-Interview. Er hatte erst im letzten Sommer die Leitung des Davoser Traditionshauses übernommen. Bereits einmal hatte er die Grossveranstaltung in Davos erlebt – aus einer Seitenperspektive. 2001 leitete er das Davoser Vier-Stern-Hotel Seehof – "eine ganz andere Nummer", wie Hoferer heute sagt. 
 
Über 200 Veranstaltungen in 2 Tagen
 
Im Gegensatz zu damals beherbergt  nun einige der bedeutendsten Politiker der Welt. "Die wichtigen Namen sind Angela Merkel, Guido Westerwelle, David Cameron und Tony Blair", sagt Hoferer. Besonders freut sich der Deutsche auf "seine Bundeskanzlerin", wie er sagt. Bloss zu einem gemeinsamen Kaffee werde die Zeit der Kanzlerin wohl nicht reichen. Auch zu den Sonderwünschen seiner Gäste will Hoferer nicht zu viel verraten. Nur so viel: "Einige wünschten sich ein Laufband oder einen Ergometer, ansonsten gibt es auf den Zimmern das übliche Setup."
 
Wie jedes Jahr werden die Möglichkeiten des Hotels komplett ausgeschöpft. Über 200 Veranstaltungen finden während den fünf WEF-Tagen im Steigenberger statt. Und selbst den Ausfall der berühmt-berüchtigten Google-Party konnte Hoferer locker wegstecken. Er fand im Nu einen Ersatz, der diese Lücke füllt. 150 zusätzliche Mitarbeiter sorgen dafür, dass alle Parties und Bankette reibungslos ablaufen. 
 
Kein einfaches Erbe
 
Dabei war das Erbe, das Hoferer im letzten Sommer antrat, wahrlich kein leichtes: Sein Vorgänger Ernst Wyrsch hatte das Rampenlicht nicht gescheut und prägte das Belvédère während 15 Jahren massgeblich. Seit Wyrschs Abgang im März 2011 ist Bewegung in das Steigenberger-Hotel gekommen. Innerhalb von nur 16 Monaten gab es zwei Wechsel in der Direktion. Erst folgte im September 2011 der erfahrene Hotelmanager Conrad Meier, der aber bereits nach sechs Monaten wieder abtreten musste. Dann wechselte Hoferer von Luzern in die Bündner Berge. 
 
"Es war Unruhe da", sagt Hoferer über die vergangenen Monate. Er ist deshalb in Davos mit einem anderen Team angetreten, um die Vergangenheit ruhen zu lassen. "Es macht Spass, Neues aufzubauen und mit den Mitarbeitern etwas anderes und sogar Besseres zu machen", sagt der Hoteldirektor. 
 
Wintersaison über Vorjahresniveau
 
Das ist auch notwendig. Denn wie wichtig die paar WEF-Tage für die Davoser Hotellerie ist, zeigt die Tatsache, dass einige Betriebe in dieser Zeit zwischen 20 und 30 Prozent ihres Jahresumsatzes in dieser Zeit erzielen. Hoferer will sich zu diesen Zahlen nicht äussern.
 
Hingegen bestätigt er, dass die Wintersaison 2012/13 sehr gut angelaufen ist. "Die Zahlen sind besser als noch vor einem Jahr. Die Leute haben wieder Lust, in der Schweiz Ferien zu machen", sagt Hoferer. Die Bettenbelegung liegt gemäss seinen Aussagen rund 10 Prozent über Vorjahresniveau. Dennoch bleibt die wirtschaftliche Situation ernst. “Wir müssen weiterhin hart daran arbeiten", sagt Hoferer. 
 
 
Im Video-Interview äussert sich Hoferer zu den monatelangen Vorbereitungen und den fast schlaflosen Nächten während des WEF. 
 
Michael Hoferer (55) ist seit Juni 2012 Direktor des Steigenberger Grandhotel Belvédère. Zuvor hatte der gebürtige Deutsche, der schon seit über einem Jahrzehnt in der Schweiz tätig ist, das Grand Hotel National in Luzern geleitet.