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Weshalb die CS der UBS hinterherhinkt

Unabhängig davon, wie der US-Steuerstreit für die Credit Suisse ausgeht: Die Bank gerät gegenüber der UBS immer mehr ins Hintertreffen. Daran wird sich so schnell nichts ändern.
06.05.2014 10:48
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Nun haben wir in der Finanzkrise gelernt, dass die Aktienkursperformance von Grossbanken nicht der alleinige Gradmesser für operatives Gedeihen und vor allem für eine gesunde Strategie eines Institutes stehen kann. Dennoch bleibt die Aktie ein wichtiger Orientierungspunkt für den Zustand eines Unternehmens, insbesondere im Vergleich zu den Wertpapieren der Konkurrenz.

Nichts zeigt dies deutlicher als ein Vergleich der Kursperformance der Aktien der UBS und der Credit Suisse (CS). In den letzten drei Jahren konnte die UBS-Aktie 66 Prozent vorrücken, bei der CS-Aktie betrug die Performance im gleichen Zeitraum lediglich 18 Prozent. In diesem Jahr hat der UBS-Titel gegen 10 Prozent zugelegt, die Performance der CS-Aktie liegt im negativen Bereich.

Kursperformance seit Mai 2011: UBS (orange) versus Credit Suisse (rot).

 

Ganz offensichtlich haben die Investoren viel mehr Vertrauen in die Titel der UBS als in diejenigen der CS. Das hat vorab zwei Gründe: Der US-Steuerstreit und die Ungewissheit darüber, mit welchen Strafmassnahmen die zweitgrösste Schweizer Bank rechnen muss, lasten auf der CS-Aktie. Diese Unsicherheit wird demnächst verschwinden.

Das Problem sitzt tiefer. Anders als die UBS hat die CS seit der Finanzkrise keine Kursänderung bei der Strategie vorgenommen. Erstere schraubt das Investmentbanking (IB) deutlich zurück und lässt sich den Umbau Milliarden kosten. Die CS dagegen mit ihrem US-Chef Braday Dougan, ein Investmentbanker durch und durch, hält an diesem risikobefrachteten und volatilen Geschäft unverändert fest. Operativ hat sich das vor allem in den letzten Quartalen nicht ausbezahlt.

Seit sieben Jahren ist Dougan an der Spitze der CS. Er hat die Bank in der Finanzkrise ohne Staatshilfe über die Runden gebracht, musste aber Investoren aus dem Mittleren Osten an Bord holen. Die Qatar Holding besitzt heute theoretisch 21 Prozent am Kapital der CS, der saudiarabische Olayan Clan fast 15 Prozent.

"Ich spüre keinen Druck, an der Strategie etwas zu ändern", sagte Dougan kürzlich. Entweder ist das eine Schutzbehauptung. Oder die Aussage stimmt, was wahrscheinlicher ist. Denn der Qatar-Vertreter im CS-Verwaltungsrat, Hamad J.J. Al Thani, soll dem Vernehmen nach persönlich ein sehr gutes Verhältnis mit Dougan und seinen Investmentbankern pflegen, vorab mit IB-Chef Eric Varvel. Auch strategisch stützt Al Thani den IB-Kurs von Dougan.

CS-VR-Präsident Urs Rohner kann sich nicht gegen den Grossaktionär auflehnen, wenn dieser Dougan stützt, von den anderen Grossinvestoren wie Blackrock oder Harris sind keine Bedenken gegen den CS-Kurs bekannt. Die UBS wird somit beim Beauty Contest der Schweizer Grossbanken auch in Zukunft die Nase vorn haben.