Kolumne

Wohneigentum - Immobilien: Wie man mit einer Hypothek in zehn Jahren 83'000 Franken sparen konnte

Mit Geldmarkthypotheken konnte man im Vergleich zu Festhypotheken in den letzten Jahren viel Geld sparen. Bleibt das so? Eigentlich nicht. Normalerweise. Aber wir haben alles andere als normale Verhältnisse.
29.11.2021 08:51
Von Claude Chatelain
Immobilien: Wie man mit einer Hypothek in zehn Jahren 83'000 Franken sparen konnte
Bild: Shane Wilkinson

 

Die Kolumne "Gopfried Stutz" erschien zuerst im 

Kaum ein Geldinstitut plädierte in den vergangenen Jahren so hartnäckig für Geldmarkthypotheken wie das VZ Vermögenszentrum. Im Nachhinein darf man mit gutem Gewissen behaupten: zu Recht.

Hypothekenspezialist Lorenz Heim rechnet vor: Wer Mitte 2011 eine Geldmarkthypothek für 500'000 Franken abgeschlossen hat, zahlte bis Mitte 2021 Zinskosten von 42'000 Franken. Bei einer zehnjährigen Festhypothek hingegen summierte sich die Zinsbelastung auf rund 125'000 Franken, 83'000 Franken mehr.

Geldmarkthypotheken orientieren sich an kurzfristigen Referenzzinssätzen. Bisher war es der in London festgelegte Libor, ab 2022 wird es der Saron sein, ein von der Schweizer Börse ermittelter Tagesgeldsatz. Kurzfristige Zinssätze sind in aller Regel tiefer als die Sätze für Festhypotheken.

Doch bei höheren Zinsen steigen auch die Sätze der kurzfristigen Geldmarkthypotheken. So besteht das Risiko, dass bei Ablauf der Hypothek von drei Monaten die Zinslast steigt. Bei Festhypotheken hingegen ist der Zins für mehrere Jahre fix, je nach Laufzeit. Deshalb ist es ratsam, sich bei drohenden Zinssteigerungen mit einer Festhypothek abzusichern.

Nun sind die Zinsen entgegen allfälligen Befürchtungen (oder Hoffnungen, je nach Standpunkt) im letzten Jahrzehnt überhaupt nicht angestiegen, im Gegenteil. Deshalb liess sich mit Geldmarkthypotheken im Vergleich zu Festhypotheken viel Geld sparen.

Und jetzt? Im Oktober ist die Inflationsrate in der Eurozone auf 4,1 Prozent gestiegen, den höchsten Wert seit 13 Jahren. In den USA lag sie sogar bei über sechs Prozent. Inflation und Zinsen sind so etwas wie siamesische Zwillinge. Wenn die Preise anziehen, steigen normalerweise auch die Zinsen. Und wenn die Zinsen steigen, steigen normalerweise auch die Hypothekarsätze.

Das Schlüsselwort in diesem Zusammenhang heisst «normalerweise». Denn wir haben alles andere als normale Verhältnisse. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) macht jedenfalls keinerlei Anstalten, von ihrer Negativzinspolitik abzurücken. «Der Markt verhält sich so, als wenn wir noch vier Jahre negative Zinsen haben», sagt Lorenz Heim vom VZ. Nach seiner Einschätzung ist die gegenwärtige Teuerung nicht nachhaltig.

Aus diesem Grund sind die Sätze für Festhypotheken trotz akuter oder vielleicht auch nur herbeigeredeter Inflationsgefahr kaum gestiegen: Die zehnjährige schwankt seit 2019 zwischen 1,0 und 1,3 Prozent. Derzeit liegt sie am oberen Rand dieser Bandbreite.

Oder ist die Inflation vielleicht eben doch nachhaltig? In einem Satz: Wir wissen es nicht. Thomas Stucki ist Anlagechef bei der St. Galler Kantonalbank. Am Donnerstag prophezeite er an einer Medienkonferenz: «Die US-Notenbank wird als erste der grossen Zentralbanken ihren Leitzins Ende 2022 erhöhen. Die langen Zinsen werden bereits im Laufe des Jahres 2022 ansteigen.»

Was natürlich wiederum nicht heisst, dass die SNB nachziehen wird, sollte das Szenario von Stucki eintreffen.