Zahlungsabwicklung - Wirecard-Aktie plus 118 Prozent - Zwei Klagen gegen deutschen Staat

Der Insolvenzskandal um Wirecard führt zu zwei Staatshaftungsklagen gegen den deutschen Staat. Die Tätigkeiten des Zahlungsabwicklers auf den Philippinen sollen derweil untersucht werden.
29.06.2020 11:47
Hauptsitz der Wirecard AG in Aschheim bei München.
Hauptsitz der Wirecard AG in Aschheim bei München.
Bild: imago images / Lackovic

Die Aktie von Wirecard legt an der deutschen Börse heute um 118 Prozent zu. Damit ist die Aktie 3,10 Euro wert. Zu bedenken ist allerdings, dass Wirecard vor dem Beginn der Krise um nicht auffindbare Bilanzmilliarden Mitte Juni an der Börse 104 Euro wert gewesen war.

Im Auftrag von Wirecard-Aktionären bereiten zwei Anwaltskanzleien, die bereits Klagen gegen den Buchprüfer Ernst & Young eingereicht haben, Sammelklagen wegen Staatshaftung gegen die Bundesrepublik Deutschland vor.

"Wirecard hat unkontrolliert Milliarden Euro an Anlegergeldern vernichtet", hiess es am Sonntag in einer Mitteilung der Kanzleien Schirp und Liebscher. Schirp sieht im Versagen der Aufsichtsbehörde BaFin sowie der Deutschen Prüfstelle für Rechnungswesen Parallelen zur Insolvenz des Containeranbieters P&R.

Diese ereignete sich 2018. Geschäftliche Unregelmässigkeiten haben zu einer juristischen Aufarbeitung geführt. Die P&R-Insolvenz gilt als grosser Anlegerskandal. 

Philippinische Behörden ermitteln

Die philippinischen Aufsichtsbehörden ermitteln gegen die lokalen Geschäftspartner der Wirecard, wie die Financial Times (FT) berichtet. Damit soll das volle Ausmass des Engagements des südostasiatischen Landes in einem der schlimmsten Buchhaltungsskandale Europas festgestellt werden.

Gegenstand der Untersuchung seien Partner von Wirecard, darunter PayEasy Solutions, Centurion Online Payment International und ConePay International, sagte Mel Georgie Racela, Exekutivdirektor des Anti-Geldwäschereirates des Landes.

"Wir haben [rund fünf] Geschäftspartner von Wirecard als
Personen und Gesellschaften von Interesse aufgenommen", sagte
Racela gegenüber der FT. "Wir müssen uns auch eingehender mit den Direktoren und leitenden Angestellten dieser Geschäftspartner befassen."

"Wir sind bereit, mit allen Beteiligten zu sprechen, um dieses Chaos zu beseitigen", sagte Benjamin Diokno, der Gouverneur der philippinischen Zentralbank, laut FT.

(Bloomberg/cash)