Zentralbanken - Lagarde verordnet den EZB-Ratsmitgliedern einen Maulkorb

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat in einem Schreiben an die Ratsmitglieder darum gebeten, die bevorstehende Überprüfung der Strategie der Zentralbank nicht zum Thema öffentlicher Äusserungen zu machen.
14.01.2020 10:05
Christine Lagarde bei ihrem Amtsantritt als EZB-Präsidentin im November 2019.
Christine Lagarde bei ihrem Amtsantritt als EZB-Präsidentin im November 2019.

Dies, bevor es nach einer Ratssitzung am 23. Januar hierzu formelle Verlautbarungen gibt. Lagarde äusserte ihre Bitte in einem Brief an die Mitglieder des Gremiums, in dem sie auch ankündigte, dass ihre zweitägige Sitzung früher als gewöhnlich beginnen werde, um genug Zeit für die Debatte aller Themen zu haben, hiess es von Personen, die mit dem Inhalt des Briefs vertraut sind. Eine EZB-Sprecherin wollte sich nicht äussern.

Das Schreiben spiegelt wahrscheinlich den Wunsch Lagardes wider, zu verhindern, dass die Debatte über die Strategieüberprüfung, die erste seit 2003, ausser Kontrolle gerät. Es ist ein Hinweis darauf, dass sie auf Disziplin in der Kommunikation der EZB-Ratsmitglieder drängt. Das erinnert an ihre frühere Rolle beim Internationalen Währungsfonds, wo sie sich den Ruf erwarb, ein strenges Regiment zu führen.

In den letzten Wochen sind die Meinungen darüber, was die EZB in ihrer Bewertung unter die Lupe nehmen sollte, stark angewachsen. Zu den Themen gehört die Frage, warum die Inflation niedrig bleibt, mögliche Änderungen des Preisstabilitätsziels und Themen, die von manchen Mitgliedern als potenzielle Ablenkung gesehen werden, wie der Klimawandel und digitale Währungen.

(Bloomberg)