Die Frage für Kreditgeber, Händler und Notenbanker ist, wie stark und wie schnell das geschehen wird.

Die EZB kündigte im vergangenen Monat eine Zinsstaffelung an, um die negativen Auswirkungen der gesenkten Zinssätze für Banken zu mindern. Als Resultat werden Kreditgeber ab Ende Oktober in der Lage sein, Hunderte von Milliarden Euro überschüssiger Liquidität bei der EZB zu 0 Prozent zu parken, statt ihre Einlagen zum Zinssatz von minus 0,5 Prozent zu hinterlegen.

Händler preisen wegen der Auswirkungen der Zinsstaffelung bereits einen Anstieg des Geldmarktsatzes Euro Overnight Index Average (Eonia) um etwa zwei Basispunkte bis 30. Oktober ein. Nach Einschätzung von Nikolaos Panigirtzoglou, globaler Marktstratege von JPMorgan Chase & Co., könnte dieser Referenzsatz für Tagesgeld auf dem Interbankenmarkt in den kommenden Wochen sogar um bis zu 10 Basispunkte steigen, während die Banken Mittel im Wert von bis zu 100 Milliarden Euro umschichten.

Richtwert für Schuldpapiere

"Die Eonia-Sätze sollten angesichts der Tatsache steigen, dass Peripheriebanken wie aus Italien" ihre Reserven zu null Prozent deponieren können, sagte Panigirtzoglou. "Das Risiko besteht darin, dass sich diese Kapitalbewegung am Interbankenmarkt verzögert oder langsamer vonstatten geht über einen längeren Zeitraum über den Oktober hinaus, was den Aufwärtsdruck auf die Eonia-Zinssätze dämpfen würde."

Die Aussicht auf eine Erhöhung der Geldmarktsätze hat unter Analysten eine Debatte darüber entfacht, ob die EZB ihre Geldpolitik unabsichtlich gestrafft haben könnte. Diese Sätze dienen als Richtwerte für Billionen Euro an Schuldpapieren in der gesamten Region.

In der Zeit nach der Finanzkrise haben Zentralbanken eine Reihe neuer geldpolitischer Instrumente und Taktiken eingesetzt, um das Wachstum zu stärken und die Stabilität des Bankensystems zu gewährleisten - was eine Steuerung der Politik manchmal erschwert. Die Federal Reserve musste im September dem US-Bankensystem mit temporären Liquiditätsspritzen unter die Arme greifen, um die durch einen Finanzierungsengpass in die Höhe getriebenen Geldmarktsätze wieder unter Kontrolle zu bringen. Die US-Notenbank will in diesem Monat eine dauerhaftere Lösung für den Repo-Markt finden, um ausreichend Liquidität zu gewährleisten.

Ende von Skandal-Zinssätzen

Das so genannte "Tiering" der EZB könnte dazu führen, dass Banken ihre überschüssige Liquidität lieber bei der EZB zu 0 Prozent parken als in Wertpapiere mit negativer Rendite zu investieren - was ebenfalls zu einem moderaten Anstieg der Zinsen bei kurzfristigen Instrumenten führen kann. In diesem Jahr waren die Renditen für zweijährige Staatsanleihen in den negativen Bereich gefallen und hatten in einigen Ländern Rekordtiefs markiert. Doch nach der Ankündigung des EZB-Staffelzinses im Rahmen eines breiteren Maßnahmenpakets legten die Renditen wieder zu.

Der neue Interbanksatz für den Euroraum (ESTR), den die EZB seit dem 2. Oktober veröffentlicht, wird auch eine wichtige Rolle im Eonia-Verlauf spielen. Der ESTR-Satz wurde für den 15. Oktober auf -0,551 Prozent festgesetzt, und Eonia wird nun täglich auf Basis des ESTR-Satzes plus 8,5 Basispunkte fixiert.

ESTR ist ein Ergebnis der globalen Anstrengungen von Aufsichtsbehörden, sich von skandalumwitterten Referenzzinssätzen zu lösen. Die Art der ESTR-Berechnung - unter Verwendung eines volumengewichteten, bereinigten Mittelwerts - könnte den Aufwärtsdruck auf Eonia begrenzen, weil extreme Sätze herausgefiltert werden. Die EZB berücksichtigt nicht die oberen und unteren 25 Prozent der aggregierten Transaktionen.

Die EZB geht davon aus, dass der Übernachtsatz auf dem Interbankenmarkt auch bei der bestehenden Staffelung in Richtung des Einlagensatzes tendieren wird. Innerhalb des neuen Tiering-Systems verfügt die Notenbank über die Flexibilität, die Höhe der von den Negativzinsen befreiten Einlagen anzupassen, um die Geldmarktsätze besser zu kontrollieren.

Nach derzeitigem Stand ist das Sechsfache der Mindestreservepflicht einer Bank von Zinszahlungen ausgenommen. Darüber hinausgehende Summen, die bei der EZB deponiert werden, unterliegen dem Einlagensatz von minus 0,5 Prozent.

(Bloomberg)