ZKB-Anlagechef Christoph Schenk - «Bei Bitcoin droht im schlimmsten Fall der Totalverlust»

Christoph Schenk, Anlagechef der Zürcher Kantonalbank, rät dringend von Investitionen in Kryptowährungen wie Bitcoin ab. Er setzt trotz sportlicher Bewertung lieber auf traditionelle Anlagen wie Immobilien und Aktien.
04.05.2021 14:12
Interview: Marc Bürgi
Christoph Schenk, Anlagechef der ZKB, in einem früheren Interview von cash.ch.
Christoph Schenk, Anlagechef der ZKB, in einem früheren Interview von cash.ch.
Bild: cash

Schweizer Immobilienfonds haben sich dieses Jahr bereits stark aufgewertet (gemessen am Immobilienfonds-Index SWIIT) – sind die Fonds mittlerweile zu teuer?

Christoph Schenk: Der Index für Schweizer Immobilienfonds erzielte letztes Jahr eine Gesamtperformance von über 10 Prozent und auch 2021 steht bereits wieder ein Plus zu Buche. Die Agios, welche sich mittlerweile auf einem Rekordwert von über 40 Prozent belaufen, erachten wir als sehr sportlich.

In einem Umfeld von tendenziell steigenden Zinsen erhöht sich damit die Gefahr von Bewertungskorrekturen. Die Ausschüttungen bei Immobilienfonds bleiben aber sicher und attraktiv und die Alternativen sind nach wie vor spärlich gesät. Auch ist der Ver- und Ankauf von grösseren Immobilienfondsbeständen mit signifikanten Transaktionskosten verbunden. Deshalb macht es trotz sportlicher Bewertung durchaus Sinn, in Immobilien investiert zu bleiben. 

Bitcoin und andere Kryptowährungen sind derzeit sehr gefragt. Für wen kommen Sie als Investment infrage?

Spekulanten. Die extremen Wertschwankungen bei Bitcoin bieten beim richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt die Chance, in kurzer Zeit einen enormen Gewinn zu realisieren. Allerdings droht mit einem falschen Timing im schlimmsten Fall der Totalverlust.

Denn einerseits werden schnellere, sicherere und effizientere digitale Assets Bitcoin bedrängen. Und andererseits werden Staaten alles unternehmen, um ihre Geld- und Steuerhoheit vor privaten Kryptowährungen zu schützen. Für Anleger, die beispielsweise langfristigen Inflationsschutz suchen, sehen wir für diesen Zweck unter den traditionellen Anlageklassen klar attraktivere Optionen.

Rohstoffe sind eine beliebte Ergänzung zu Investitionen in Aktien und Obligationen. Wie viel Gewicht würden Sie darauf legen - und welche Rohstoffkategorien empfehlen Sie?

Rohstoffe tragen zwar zur Diversifikation im Portfolio bei. Aus einer längerfristigen Rendite/Risiko-Betrachtung liegen sie jedoch zumeist hinter Aktien und Obligationen zurück. In einzelnen Phasen des Konjunkturzyklus kann sich eine Rohstoffinvestition durchaus lohnen. Die Gewichtung soll dabei immer im Einklang mit dem Anlegerprofil gewählt werden. Aktuell begünstigt der Wirtschaftsaufschwung eine Rohstoffquote im Portfolio.

Konjunktursensitive Rohstoffkategorien sind in einem solchen Umfeld zu bevorzugen. Mit den globalen Infrastrukturprogrammen wird die Nachfrage nach Energierohstoffen und Industriemetallen weiterhin hochgehalten. Industriemetalle wie Kupfer nehmen zukünftig bei der Produktion von erneuerbaren Energien eine zentrale Rolle ein. Sie leisten zudem einen entscheidenden Betrag zur Dekarbonisierung und zur Reduktion des ökologischen Fussabdrucks.

Die US-Regierung von Joe Biden möchte ein riesiges Infrastruktur-Programm umsetzen. Würden auch börsengehandelte Schweizer Unternehmen davon profitieren?

Ja, davon kann man ausgehen. Selbstverständlich wird die US-Regierung versuchen, die Projekte so weit wie möglich auf einheimische Firmen zu verteilen. In einer globalisierten Welt lässt sich aber nicht vermeiden, dass auch ausländische (Sub-)Unternehmen zum Zug kommen. Schweizer Firmen dürften vor allem dann grosse Chancen haben berücksichtigt zu werden, wenn sie bereits in den USA präsent sind oder in den betroffenen Infrastrukturbereichen einen hohen Spezialisierungsgrad aufweisen.

Blicken wir auf das allgemeine Börsengeschehen: Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Das Coronavirus sorgt nach wie vor für die Hauptimpulse an den Finanzmärkten. Die unterschiedlichen konjunkturellen Verläufe der einzelnen Wirtschaftsräume und damit auch ihre unterschiedlichen Aktienmarktentwicklungen sind zum grossen Teil auf den Umgang der Regierungen und Zentralbanken mit der Pandemie zurückzuführen. Die derzeit laufenden Massenimpfungen dürften aber noch in diesem Jahr dafür sorgen, dass sich die Finanzmärkte auch wieder mit anderen Themen beschäftigen werden.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Auf jeden Fall kann ich sagen, dass es spannend bleibt. Die globalen Konjunkturdaten weisen auf eine kräftige Erholung hin und die Investoren legen eine grosse Risikofreude an den Tag. Folglich hat sich der Schweizer Aktienmarkt erfreulich gut entwickelt.

Mit einer vorübergehenden Atempause bzw. mit einem Realitäts-Check ist in einem derartigen Umfeld immer zu rechnen. Ärgerlicherweise gelingt es in den seltensten Fällen, Beginn und Ende zeitlich genau zu erwischen, so dass man gelassen darüber hinwegschauen sollte, sofern der fundamentale Rahmen für steigende Aktienkurse intakt ist. Davon bin ich nach wie vor überzeugt.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Hier kann ich an meine vorherige Antwort anknüpfen. Die globale konjunkturelle Erholung wird sich unseren Prognosen zufolge im kommenden Jahr fortsetzen. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für weiteres Gewinnwachstum, höhere Dividendenausschüttungen und folglich steigende Aktienkurse in der Schweiz gegeben. Spekulationen über die künftige Geld- und Fiskalpolitik vor allem in den USA und der Eurozone dürften aber immer wieder für erhöhte Marktschwankungen sorgen.

Das Interview wurde schriftlich geführt und erschien zuerst auf handelszeitung.ch unter dem Titel «Kryptowährungen: ‹Mit einem falschen Timing droht der Totalverlust›».

 
Aktuell+/-%
Bitcoin in USD57'418.7950+1.71%
Copper USD Cash10'025.50+0.34%
SMI11'142.61+0.28%

Investment ideas