Mediensprecher Bernhard Graser sagte an einem kurzfristig einberufenen Pressetreffen, die Polizei sei am frühen Sonntagmorgen um 2.30 Uhr alarmiert worden. Rasch habe sie erkannt, dass es um etwas Grösseres gehe.
Sie habe deshalb alle sofort verfügbaren Einheiten aufgeboten. Seit mittlerweile zwölf Stunden seien praktisch alle verfügbaren Aargauer Polizisten im Einsatz. Andere Kantone hätten auch Kräfte zur Verfügung gestellt.
____ Tatort abgesperrt
Der Tatort, der Aargauer Schachen, sei nach wie vor abgesperrt - aber nicht wegen einer drohenden Gefahr, sondern wegen umfangreicher Tatortarbeiten. Untersucht werde etwa, wie viele Schüsse abgefeuert worden seien.
Wohl etwas über hundert Raver seien nach den Schüssen von der Polizei in einer Turnhalle befragt worden. Die Polizei gehe davon aus, dass bei dem Vorfall «eine grössere Anzahl von Schüssen» abgefeuert wurde, so Graser.
Mögliche Motive sowie die genauen Umstände der Tat seien noch unklar, hatte die Aargauer Kantonspolizei schon zuvor mitgeteilt.
An der Fahndung nach den Tätern beteiligt sich nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur auch die deutsche Polizei. Es handle sich um ein Routineverfahren im Rahmen der polizeilichen Zusammenarbeit, sagte ein Sprecher der Polizei in Freiburg im Breisgau auf Anfrage.
Eine Tote, fünf Verletzte
Den Schüssen fiel eine 22-jährige Frau zum Opfer. Leicht bis schwer verletzt wurden vier junge Männer und eine Frau im Alter von 24 bis 27 Jahren. Laut den italienischen Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos handelt es sich beim Todesopfer um eine Italienerin.
Ansa berichtete unter Berufung auf eine Mitteilung aus dem italienischen Aussenministerium, der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis habe seinem italienischen Amtskollegen sein Beileid ausgesprochen. Die Aargauer Kantonspolizei sprach von Opfern mit Wohnsitz in der Schweiz.
Im Aargauer Regionalfernsehsender Tele M1 berichtete ein Mann, der sich als Besucher der Rave-Party ausgab, von Lärm, der zuerst an Feuerwerk oder Böller erinnert habe. Als um etwa 2.30 Uhr die Musik an der Party aufgehört habe, seien alle langsam zum Ausgang gegangen.
«Erst nachdem ein paar Leute sagten: Duckt euch, es wird geschossen! realisierten ein paar Leute, was ging, und versteckten sich hinter dem Kühlschrank der Bar», so der Mann. Eine Frau habe dort am Boden gelegen, erzählte der Zeuge weiter. Sie sei von einem Schuss getroffen worden und noch vor Ort verstorben.
DJ entsetzt, Aargauer Regierung betroffen
Auf dem Aarauer Schachen fand am Samstagabend der «Aarauer Rave» statt, also ein Anlass, an dem DJs Technomusik abspielen und die Besucher tanzen. 3500 Menschen erwarteten die Organisatoren laut ihrer Webseite. Schauplatz der Party war die Pferderennbahn auf dem Gelände, zu dem auch weitere Freizeit- und Sportanlagen wie ein Schwimmbad gehören.
Der am Event aufgetretene Techno-DJ Tekibo schrieb nach den Schüssen in den Sozialen Medien, Techno und Raves sollten ein Ort der Freiheit und Sicherheit sein. Er sei «okay», aber immer noch daran, zu verarbeiten, was geschehen sei, weil er eine «wichtige Freundin» verloren und «nicht die richtigen Worte dafür» habe.«RIP M», schrieb der DJ.
Die Aargauer Kantonsregierung schrieb auf der Kurznachrichtenplattform X, sie sei «tief betroffen über die Gewalttat in Aarau». Sie verurteile diese. Ihre Gedanken seien bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen Menschen, die dieses schreckliche Ereignis hätten miterleben müssen.
(AWP)
