Nachdem der «Sonntags-Blick» vor Wochenfrist erstmals über die Affäre berichtete, hat die «NZZ am Sonntag» nun weitere Details zur Affäre publiziert. Wie das Blatt berichtet, sollen Verantwortliche der Zurich Schweiz im Geschäft mit der beruflichen Vorsorge über Jahre hinweg regulatorische Vorgaben missachtet haben. Demnach wurden im Risikogeschäft Tarife angewendet, die nicht von der Finma genehmigt waren.

Statt den Fehler zu korrigieren, sollen die Verantwortlichen laut «NZZaS» versucht haben, das Problem zu verbergen und dabei auch interne Kontrollstellen getäuscht haben. Selbst nachdem die Finma Massnahmen angeordnet hatte, seien Fristen wiederholt verpasst worden. In der Folge leitete die Aufsichtsbehörde bekanntlich ein Enforcement-Verfahren ein und untersagte der Zurich in diesem Geschäft vorläufig die Aufnahme neuer Kunden.

Zurich-CEO: Nulltoleranz gegenüber Verstössen

Zurich-Konzernchef Mario Greco äusserte sich gegenüber der «NZZaS» zwar nicht zu den Details des laufenden Verfahrens, betonte jedoch die Nulltoleranz des Konzerns gegenüber Verstössen gegen regulatorische Vorgaben. «Wir müssen sicherstellen, dass wir jederzeit sämtliche Gesetze einhalten», sagte er.

Die personellen Konsequenzen - darunter die Entlassung des Schweiz-Chefs Juan Beer sowie weiterer Führungskräfte - begründete Greco damit, dass genügend Ressourcen vorhanden gewesen wären, um die Probleme zu beheben. «Leider wurden entsprechende Massnahmen nicht konsequent und schnell genug umgesetzt.»

Den Vorwurf, das die Probleme auch beim Konzern lägen, wies Greco zurück: «Die Gruppe muss die Ländergesellschaften kontrollieren und überwachen, sie führt aber nicht das Geschäft.» Zudem seien Missstände nur schwer aufzudecken, wenn sie von einzelnen Mitarbeitenden bewusst verschleiert würden.

Umbau dürfte sich beschleunigen

Als Folge der Affäre dürfte sich nun der Umbau des Geschäfts mit der beruflichen Vorsorge beschleunigen. Die Vita-Sammelstiftung, für welche die Zurich Dienstleistungen erbringt, will die Risiken für Tod und Invalidität bis 2028 selbst übernehmen und sich damit weiter von der Zurich lösen.

Nach Angaben der Vita sollen dadurch die Risikoprämien für die Versicherten um 10 bis 20 Prozent sinken. Branchenbeobachter erwarten, dass der Schritt auch den Druck auf andere Anbieter erhöht und die Entflechtung von Versicherern und Sammelstiftungen weiter vorantreibt.

(AWP)