LINDT&SPRÜNGLI: Der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli steckt in der Krise und Firmenchef Adalbert Lechner musste überraschend gehen. Gegenüber der «NZZ am Sonntag» hat sich Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner zu den Turbulenzen geäussert: «Es tut mir weh, unsere Produkte im Ausverkauf zu sehen», sagt der Firmenpatron. Er gesteht ein, dass bei der Preisgestaltung Fehler gemacht wurden: «Für einige Konsumenten wurden unsere Produkte in den vergangenen Monaten offensichtlich zu teuer.» Von einem Rücktritt als Verwaltungsratspräsident will Tanner aber trotzdem nichts wissen. «Ich bin überzeugt, dass ich einen wesentlichen Beitrag leisten kann, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen», sagt der 80-Jährige. Die Preis-Fehleinschätzung liege beim Management vor Ort, da jeder Länderchef das Geschäft eigenverantwortlich leite. (NZZaS S. 35, siehe auch separate Meldung)

UBS: Vor der Debatte im Nationalrat über die künftige Kapitalausstattung der UBS eilt die Gewerkschaft des Bankenpersonals dem Bankchef Sergio Ermotti zu Hilfe. In einem Brief an die vorberatende Kommission des Nationalrates fordert der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) einen «tragfähigen Kompromiss» in der Kapitalfrage, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Andernfalls drohe ein Wegzug oder ein Verkauf der Bank. Dadurch wären laut den Gewerkschaftsvertretern rund 10'000 bis 12'000 Arbeitsplätze in der Schweiz gefährdet. Dies entspricht rund einem Drittel der 34'000 Stellen der UBS im Heimmarkt. Die UBS befürchtet durch die neuen Regeln jährliche Mehrkosten in Milliardenhöhe, sollten die Kapitalauflagen gemäss der Vorlage des Bundesrates verschärft werden. (NZZaS S. 40)

MIGROS: Laut der «SonntagsZeitung» steht die Migros vor einem grossen Umbau. Anfang der kommenden Woche wollen Migros-Präsidentin Ursula Nold und Konzernchef Mario Irminger ihren Plan vorstellen, wonach die zehn Regionalgenossenschaften, der Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) und die Supermarkt AG zu einer Einheitsgenossenschaft zusammengeführt werden sollen. Dabei soll die Migros-Supermarkt AG als wichtigste operative Tochtergesellschaft bestehen bleiben. Diese soll künftig in sechs Regionen organisiert werden, deren Grenzen sich nach der Logistik statt nach den bisherigen Genossenschaften richten. Deren jetzige Führungsstrukturen werden aufgelöst. Gemäss der Zeitung wird das Einsparpotenzial auf jährlich 300 bis 400 Millionen Franken geschätzt. Besonders die Verwaltungen und Führungsstäbe der Regionen sollen von den Sparmassnahmen betroffen sein. Rund 3000 Stellen könnten im Zuge des Umbaus wegfallen. Vorbild sei Coop, wo die Regionalgenossenschaften bereits 2001 zusammengelegt wurden. Grösstes Hindernis werde aber die Zustimmung der einzelnen Migros-Genossenschafter sein. Hier ist jeweils eine Zweidrittelmehrheit notwendig. (SoZ S. 31-32)

MOBILIAR: Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums will die Mobiliar stärker im gemeinnützigen Wohnungsbau aktiv werden und bis zu 1000 bezahlbare Wohnungen bauen. «Bezahlbarer Wohnraum ist für viele Menschen ein grosses Thema, speziell für junge Familien, junge Erwachsene oder ältere Menschen», sagte Mobiliar-Präsident Stefan Mäder in der «Schweiz am Wochenende». Die Wohnungen sollen in den nächsten fünf bis zehn Jahren fertig werden und über die ganze Schweiz verstreut sein. Speziell für dieses Projekt wurde eine neue Aktiengesellschaft namens Dedicasa ins Leben gerufen, die ihre Tätigkeit bereits aufgenommen habe, so Mäder weiter. Bei den 1000 Wohnungen soll es zunächst bleiben: «Wir müssen zunächst einmal bescheiden bleiben», sagte er. (SaW S. 13)

BUNDESRATSKANDIDATIN AMAUDRUZ: Zur Genfer Bundesratskandidatin und SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz finden sich in der Sonntagspresse gleich zwei kritische Beiträge. So schreibt etwa die «SonntagsZeitung», dass die Stiftung Ethos Amaudruz schon seit Jahren zur Abwahl als Verwaltungsratspräsidentin des Getreidekonzerns Groupe Minoteries empfiehlt. So mache Ethos-Chef Vincent Kaufmann sie in einem Interview dafür verantwortlich, dass im Verwaltungsrat nur eine Frau sitzt. Zudem sei sie wegen der Beteiligung ihrer Familie nicht unabhängig. Besonders problematisch ist aus unserer Sicht das sogenannte Overboarding: Frau Amaudruz hat deutlich zu viele Mandate«, sagt Kaufmann weiter. Problematisch ist laut Kaufmann auch ihr ehemaliges Engagement bei der Genfer Bank Reyl. Zudem habe sie mit Vorstössen im Parlament versucht, die Finma zu schwächen. Einen Interessenkonflikt bestreitet sie jedoch. Die »NZZ am Sonntag« hebt das Engagement von Amaudruz in der Privatklinikgruppe und Aevis-Tochter Swiss Medical Network hervor. Der aktivistische Investor Fraser Perring habe dabei vor drei Jahren das Geschäftsgebaren der Firmengruppe scharf kritisiert. Dabei witterte er gar Bilanzmanipulationen und aufgeblähte Erträge. Er schoss dabei auch die Immobiliengesellschaft Infracore ein, wo Amaudruz im Verwaltungsrat sitzt. Swiss Medical Network hat die Vorwürfe mehrfach als haltlos zurückgewiesen. (SoZ S. 2-3; NZZaS S. 12)

POSTFINANCE: Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Adrian Lobsiger begrüsst in einem Interview mit dem »SonntagsBlick« das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gegen die Postfinance. »Das Datenschutzgesetz muss eingehalten werden. Und ich frage mich, warum sich die Postfinance dagegen gewehrt hat, dass meine Verfügung publiziert wird. Ein entspannteres Verhältnis zur Transparenz wäre wohltuender«, sagt er. Die Postfinance wollte bei Schweizer Kunden Sprachprofile für Erkennungen im Kundendienst anlegen - ausser man wehrte sich aktiv dagegen. EU-Kunden hingegen wurden nach einer ausdrücklichen Einwilligung gefragt. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist noch nicht rechtskräftig. (SoBli S. 18-19)

VERTEIDIGUNG: Für die Rüstungsbeschaffung möchte die Armee in den nächsten zwölf Jahren zusätzliche 24 Milliarden Franken. Mehr als ein Drittel des Geldes, 9 Milliarden Franken, veranschlagt sie allein für höhere Preise von Rüstungsgütern, wie der »SonntagsBlick" mit Verweis auf ein Dokument des Verteidigungsdepartements (VBS) berichtet. Die weiteren Ausgabenposten entfallen auf den Ausbau der Abwehr von Bedrohungen aus der Luft und von Cyberattacken (9 Milliarden Franken) sowie die Beschaffung eines zweiten bodengestützten Luftabwehr-Systems (6 Milliarden Franken). Dass die Armee Beschaffungsprojekte, die nach heutigem Stand 15 Milliarden Franken kosten würden, mit Aufwendungen von 24 Milliarden Franken veranschlagt, erklärt eine VBS-Sprecherin mit der weltweit gestiegenen Nachfrage nach Rüstungsgütern, begrenzten Produktionskapazitäten sowie der Inflation. Die budgetierten 9 Milliarden Franken dienten somit nicht der Finanzierung zusätzlicher Vorhaben, sondern dazu, die benötigten Systeme unter den veränderten Marktbedingungen zu kaufen, sagt die Sprecherin. (SoBli S. 22-23)

NEOGARD: Der Garten- und DIY-Grosshändler Neogard stellt den Betrieb ein, wie verschiedene Medien am Wochenende berichten. Bereits am vergangenen Mittwoch sei den Beschäftigten mitgeteilt worden, dass der Betrieb im Frühjahr 2027 beendet wird. 42 Personen seien gekündigt worden. Für die Betroffenen sei ein Konsultationsverfahren eingeleitet worden. Die Geschäfte seien wegen des schwierigen Marktumfelds und der veränderten Rahmenbedingungen im Handel nicht rentabel gewesen, heisst es als Begründung. (Blick Online, Aargauer Zeitung Online)

cg/

(AWP)