Als Schatten-IT wird die Nutzung von Programmen und Online-Diensten bezeichnet, von denen die IT-Abteilung eines Unternehmens nichts weiss oder die sie nicht genehmigt hat. Wie verbreitet die damit verbundenen Risiken in der Schweiz sind, zeigt eine am Montag veröffentlichte Untersuchung der Cybersicherheitsfirma Risikomonitor.
Die Gefahr lauert im Arbeitsalltag
Schatten-IT entsteht oft aus Bequemlichkeit. Ein Mitarbeiter lädt Dokumente in seine private Dropbox, weil der Datenaustausch über die Firmenplattform zu umständlich ist. Eine Kollegin registriert sich mit ihrer geschäftlichen E-Mail-Adresse bei einem Online-Werkzeug. Andere verwenden ihre Firmenadresse für soziale Netzwerke oder private Angebote.
Damit verliere die IT-Abteilung die Kontrolle darüber, wo Unternehmensdaten gespeichert werden und welche Zugänge existieren, heisst es. Werden solche externen Plattformen gehackt, können E-Mail-Adressen und Passwörter in die Hände von Kriminellen gelangen. Wer dasselbe Passwort auch bei seinem Arbeitgeber verwendet, ermöglicht Angreifern unter Umständen den Zugang zum Firmennetzwerk.
Millionen Zugangsdaten betroffen
Wie verbreitet solche Risiken sind, zeigt die Auswertung von rund 2,5 Millionen Schweizer Internet-Domains. Bei rund 237'000 davon fanden die Forschenden E-Mail-Adressen in bekannten Datenlecks. Das entspricht 11,6 Prozent aller Domains mit aktivem E-Mail-Betrieb.
Insgesamt stiessen die Experten auf 2,24 Millionen unterschiedliche E-Mail-Adressen und rund 4,25 Millionen Benutzerkonten. Bei knapp 948'000 Adressen waren auch unverschlüsselte Passwörter enthalten.
Allein bei der Cloud-Plattform Dropbox fanden sich Adressen aus 42'668 Schweizer Domains. Bei sozialen Netzwerken und Foren waren es 67'633, bei Dating- und Erotikdiensten 28'557. Allerdings umfassen die Daten auch private Maildienste und teilweise Jahre zurückliegende Datenlecks.
Vier von fünf Erpressungsopfern betroffen
Besonders deutlich zeigt sich der Zusammenhang bei Cybererpressungen. Von 131 untersuchten Schweizer Organisationen, die von Ransomware-Gruppen als Opfer genannt wurden, hatten gut 80 Prozent geschäftliche E-Mail-Adressen in bekannten Datenlecks. Unter den übrigen untersuchten Firmen-Websites waren es lediglich 16,3 Prozent.
Bei solchen Angriffen verschlüsseln oder stehlen Kriminelle Unternehmensdaten, um Lösegeld zu erpressen. Je mehr geschäftliche E-Mail-Adressen einer Firma in Datenlecks auftauchten, desto häufiger war sie betroffen. Von 10'000 Firmen ohne entsprechende Treffer wurden lediglich 0,8 als Erpressungsopfer erfasst. Bei Firmen mit mindestens 200 betroffenen Adressen waren es dagegen rund 544 - also etwa jede achtzehnte.
Technische Schwachstellen weniger auffällig
Überraschend wenig unterschieden sich die Angriffsopfer dagegen bei technischen Sicherheitslücken. Bei rund einem Drittel waren bekannte Schwachstellen ihrer Websites verzeichnet, ähnlich häufig wie bei den übrigen Unternehmen.
Die Forschenden sehen darin einen Hinweis auf die Bedeutung gestohlener Zugangsdaten. Allerdings belegt die Studie keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Schatten-IT und Cyberangriffen. Grössere Unternehmen haben beispielsweise mehr Mitarbeitende und damit auch mehr Benutzerkonten, die in Datenlecks auftauchen können.
Die Zahl der öffentlich bekannt gewordenen Cybererpressungen nimmt derweil zu. Bis Anfang Oktober wurden in diesem Jahr bereits 62 Schweizer Organisationen von Erpressergruppen als Opfer genannt. Im gesamten Vorjahr waren es 41. Die Angaben beruhen allerdings auf Veröffentlichungen der mutmasslichen Täter und sind nicht in jedem Fall unabhängig bestätigt.
yz/mk
(AWP)
