Ziel sei es, bei Raiffeisen Schweiz im Jahr 2027 Personal- und Sachkosten von rund 60 Millionen Franken einzusparen, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Maximal würden bis zu 180 der 10'989 Vollzeitstellen (Mitte 2026) abgebaut. Mehr als die Hälfte der betroffenen Stellen könne dabei über Fluktuation, Streichung von nicht besetzten Stellen, Reduktion externer Arbeitskräfte und Frühpensionierungen abgebaut werden, wird betont.
Gewinnsprung
Ansonsten schaut die Gruppe mit 748 Bankstellen und Hauptsitz in St. Gallen auf ein erfolgreiches erstes Semester 2026 zurück. Der Reingewinn stieg um 18,9 Prozent auf 659 Millionen und der Geschäftserfolg als Mass für die operative Leistung um 17,1 Prozent auf 785 Millionen Franken.
Insgesamt gab es beim Geschäftsertrag ein Plus von 7,6 Prozent auf 2,04 Milliarden Franken, wobei das Zinsgeschäft mit einem Anteil von rund 70 Prozent der mit Abstand wichtigste Ertragspfeiler bleibt. Hier stieg der Nettoerfolg um 6,3 Prozent auf 1,41 Milliarden Franken.
Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft profitierte von den Bestrebungen zum Ausbau des Anlagegeschäftes und verzeichnet ein Plus von 8,4 Prozent auf 397,0 Millionen Franken. Auch der Erfolg aus dem Handelsgeschäft entwickelte sich mit einer Zunahme von fast einem Viertel auf 169,4 Millionen Franken klar über dem Vorjahr. Dazu beigetragen habe insbesondere die zunehmende Kundenaktivität bei Devisen und Edelmetall-Geschäften aufgrund der erhöhten Marktvolatilität, hiess es dazu.
Auch die Kosten nahmen zu, allerdings mit +3,0 Prozent auf 1,16 Milliarden Franken klar unter dem Plus bei den Erträgen. Die Kosten für das Personal wuchsen um 4,0 Prozent, die Sachaufwendungen lediglich um 0,5 Prozent. Raiffeisen begründet die deutlich höheren Personalaufwendungen mit gezielten Investitionen in die Kundenberatung vor Ort.
Da die Erträge stärker stiegen als die Aufwendungen, verbesserte sich auch das für Banken wichtige Verhältnis aus Kosten und Erträgen (Cost-Income-Ratio) auf 56,8 Prozent von 59,4 Prozent im 2025. Die Bank näherte sich damit der 50-Prozent-Marke an. Ein Verhältnis von unter 50 Prozent wird gemeinhin als sehr gut bezeichnet.
Viele Neugelder
Auch bei den Ausleihungen legte Raiffeisen im ersten Halbjahr weiter zu. Die Hypothekarforderungen erhöhten sich um 1,9 Prozent auf mittlerweile 235,3 Milliarden Franken per Mitte Jahr. Die gesamten Kundenausleihungen machten 248,5 Milliarden aus. Der Anteil an Wertberichtigungen für gefährdete Forderungen habe sich gegenüber Ende Vorjahr zudem leicht reduziert, betont Raiffeisen. Er liege mit 0,14 Prozent der Kundenausleihungen auf einem anhaltend tiefen Niveau.
Auf der Passivseite spricht Raiffeisen ebenfalls von einem «erfreulichen Wachstum». Die Kundeneinlagen nahmen um 1,3 Prozent auf 228,7 Milliarden Franken zu. Damit seien 92,0 Prozent der Ausleihungen mit Kundengeldern gedeckt.
Der Wachstumskurs setzte sich auch im Anlage- und Vorsorgegeschäft fort. Raiffeisen vermeldet hier einen Nettoneugeldzufluss von 3,3 Milliarden Franken. Dieser liege damit bereits über dem Gesamtwert des Vorjahres. Zusammen mit der positiven Marktperformance erhöhte sich das Depotvolumen somit um fast 10 Prozent auf 65,6 Milliarden Franken. Ausserdem seien im ersten Halbjahr 45'000 neue Depots eröffnet worden, so Raiffeisen.
Trotz schwierigem Umfeld optimistisch
Für den weiteren Jahresverlauf gibt sich das Management um den neuen CEO Gabriel Brenna zuversichtlich. Es geht unter anderem davon aus, dass der Immobilienmarkt trotz eines temporären Anstiegs der Baubewilligungen weiterhin von steigenden Preisen geprägt sein wird.
Ausserdem bestehe für die Nationalbank (SNB) vorerst kein Bedarf für Zinserhöhungen. Trotz geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten rechnet Raiffeisen für das zweite Halbjahr 2026 entsprechend mit einer «stabilen Geschäftsentwicklung über Vorjahresniveau».
uh/rw
(AWP)
