«Der Bedarf nach Absicherung weltweit wächst, da sich die Risikolandschaft verändert und Risiken immer stärker miteinander vernetzt sind», hielt Urs Baertschi, Chef der Sachrückversicherungssparte (P&C Re) bei Swiss Re, an einer Medienkonferenz in Monte Carlo fest. Dort findet seit Samstag und noch bis Mittwoch das jährliche Branchenmeeting «Rendez-Vous de Septembre» statt.

Ein wesentlicher Teil des Rückversicherungsgeschäfts bleiben die Naturrisiken, die über die Jahre an Komplexität gewonnen haben. Waren lange Zeit Grosskatastrophen wie Erdbeben oder Hurrikane die grossen Posten in den Schadensbilanzen der Rückversicherer, haben mittelgrosse Ereignisse wie Gewitterfronten, Fluten oder Waldbrände deutlich an Gewicht gewonnen, wie Underwriting-Chef bei P&C-Re, Gianfranco Lot, ausführte.

Waldbrandrisiko nimmt zu

Seit den verheerenden Waldbränden in Kalifornien von Anfang 2025, die volkswirtschaftliche Schäden von rund 54 Milliarden US-Dollar zur Folge hatten, ist dieses Risiko stärker in den Fokus gerückt. Damals hatten die Versicherungen 40 Milliarden Dollar an Schäden mitgetragen. Das war die teuerste Katastrophe dieser Art.

Auch in Europa nahmen grosse Waldbrände zu. Zuletzt brachen Feuer nahe Bordeaux, Marseille und Madrid aus, und auch Sizilien war betroffen. Dass sich die Versicherungsschäden dabei im überschaubaren Rahmen hielten, sei nur deshalb so, da die Feuer primär ländliche Regionen getroffen hätten, hiess es bei der Munich Re.

Waldbrände bleiben dennoch das weltweit am stärksten wachsende Wetterrisiko. Laut der Swiss Re sind die versicherten Waldbrandschäden in den letzten Jahrzehnten jährlich um geschätzt 8 bis 11 Prozent gestiegen. Dieses Risiko wachse weiter, da immer mehr Menschen in waldbrandgefährdeten Gebieten angesiedelt seien.

Im Extremfall 320 Milliarden an Schäden

Über alle Naturkatastrophen hinweg geht man bei der Swiss Re von einem jährlichen Wachstum der Schadenskosten um 5 bis 7 Prozent aus. Und in einem Extremjahr könne die weltweite Belastung aus Naturgefahren für die Versicherer gar bis auf 320 Milliarden Dollar hoch klettern.

Ein Hurrikan-Cluster wie jenes von 2017 mit den zerstörerischen Stürmen Harvey, Irma und Maria könne zu einem solchen Extremjahr führen. «Nur weil die versicherten Naturkatastrophenkosten zuletzt vergleichsweise gering ausgefallen sind, heisst das nicht, dass die Risiken dazu kleiner geworden sind», warnte Lot.

Die eher schadenärmeren Jahre führten dazu, dass die Preise in der Rückversicherungsbranche seit einiger Zeit unter Druck stehen. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, glaubt Hannover-Rück-Chef Clemens Jungsthöfel mit Blick auf die wichtigste Vertragserneuerungsrunde mit Erstversicherern im Januar.

Jungsthöfel geht da von leicht sinkenden Tarifen aus. Bei der Swiss Re will man sich in den anstehenden Verhandlungen indes nicht in die Karten blicken lassen. «Der Markt wird uns aufzeigen, in welche Richtung sich die Preise entwickeln», antwortete Baertschi auf eine entsprechende Frage.

Chancen und Risiken mit dem KI-Boom

Auf der Gegenseite werden die enormen Summen, die in Künstliche Intelligenz, den Bau von Rechenzentren oder in die Energiewende fliessen, auch die Nachfrage nach Versicherungsdeckung befeuern. Das Swiss Re Institute schätzt, dass das Prämienpotenzial daraus für die Industrieversicherung bis 2030 sich auf rund 200 Milliarden Dollar summieren wird.

Mit der Inbetriebnahme dieser Anlagen würden grosse Risiken entstehen, hiess es. Vor allem bei KI-Rechenzentren entstehe ein Akkumulationsrisiko, da sie dort gebaut würden, wo Energie günstig sei sowie Stromnetze und Telekommunikation zur Verfügung stünden. Ein schweres Unwetter in einem solchen Gebiet könne teuer werden. Denn nur schon der Wiederaufbau eines KI-Zentrums könne bis zu 50 Milliarden Dollar kosten.

mk/cg

(AWP)