Das Papier verlor zuletzt rund ein Prozent auf 206,50 Euro. Damit stockt der Aufwärtstrend seit Ende Juli, nachdem der Kurs zuvor deutlich abgerutscht war. Die Sorgen von Anlegern um die aufkommende Konkurrenz durch Künstliche Intelligenz (KI) hatten herkömmliche Softwareanbieter schwer unter Druck gesetzt. Seit dem Tief im Juli bei 127,50 Euro hat die SAP-Aktie aber wieder um mehr als 60 Prozent zugelegt.
Ein Grund ist auch, dass es bei SAP mit dem vor Jahren von Klein intensivierten Schwenk zu Cloud-Software rund läuft. Die aus bestehenden Abos für Cloud-Software über die kommenden zwölf Monate zu erwartenden Erlöse legten im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro zu, wie das Unternehmen mitteilte. Währungsbereinigt war das ein Plus von 26 Prozent und damit spürbar mehr als von Analysten gedacht. Experten am Kapitalmarkt schauen vor allem auf diese zukunftsweisende Kennziffer, weil sie die künftige Erlösentwicklung zu grossen Teilen vorzeichnet.
Der Softwarekonzern habe unbestreitbar stark abgeschnitten und auf den ersten Blick durch die Bank positiv überrascht, schrieb Analyst Charles Brennan von der US-Investmentbank Jefferies. Die Geschäftsentwicklung unterstreiche die Dynamik der Cloud-Transformation und entkräfte die Sorgen vor einer KI-Disruption des Kerngeschäfts.
Trotz der überraschend guten Auftragslage dürfte sich die Euphorie bei den Markterwartungen in Grenzen halten, schrieb Toby Ogg von der US-Grossbank JPMorgan. Schliesslich habe das Management auf Gegenwind von verschiedenen Seiten verwiesen. Maximilien Pascaud von der Baader Bank schrieb darüber hinaus, das Fehlen von dezidierten Kennzahlen für die Entwicklung der eigenen KI-Angebote könne die SAP-Aktie in Schach halten. Hier bleibe das Management bislang vage.
Finanzchef Dominik Asam bremste die gute Laune bei Anlegern etwas, weil er im aktuell mauen wirtschaftlichen Umfeld auf Risiken im vierten Quartal verwies. Da gehen nämlich üblicherweise rund die Hälfte der Buchungen des gesamten Jahres bei SAP ein - schlechte Stimmung könne da die Zahlen belasten und auch einen niedrigeren Pfad für das kommende Jahr bedeuten, sagte Asam in einer Telefonkonferenz mit Analysten. 2027 rechne der Konzern derzeit aber noch immer mit einer Beschleunigung des Umsatzwachstums gegenüber dem aktuellen Jahr.
Beim Ausblick für den Cloud-Umsatz im noch laufenden Jahr sieht Konzernchef Klein dank des robust gewachsenen Vertragsbestandes nun ein etwas besseres Abschneiden als bisher gedacht in greifbarer Nähe. So dürfte bei den Cloud-Erlösen das obere Ende der Prognosespanne von währungsbereinigt 23 bis 25 Prozent Wachstum erreicht werden. Demzufolge wird sich auch die Summe der Umsätze aus Cloud-Produkten und herkömmlichen Softwarelizenzen günstiger entwickeln als bisher gedacht.
SAP habe im dritten Quartal davon profitiert, dass einige Kunden finanzielle Schwierigkeiten überwunden hätten und damit Umsätze aus mehreren Vorquartalen nachgeholt worden seien, hiess es. Darüber hinaus kamen auch die Erlöse der zugekauften Firmen Reltio, Dremio und Prior Labs hinzu.
Zum ersten Mal habe SAP in einem Quartal mehr als 10 Milliarden Euro Umsatzerlöse und mehr als 3 Milliarden Euro bereinigtes Betriebsergebnis überschritten, sagte Finanzchef Asam. Dies sei «ein Beleg für die Stärke und Skalierbarkeit unseres Geschäftsmodells». Klein sprach von einem «ausgezeichneten dritten Quartal».
Die Walldorfer legten beim Umsatz in den drei Monaten bis Ende September insgesamt um 13 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro zu, bei Cloud-Software allein flossen gar 26 Prozent mehr Erlöse. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um 18 Prozent auf 3,03 Milliarden Euro. Das war ebenfalls mehr als erwartet. Unter dem Strich wuchs der Gewinn um 11 Prozent auf 2,27 Milliarden Euro./men/jha/stk
(AWP)
