Von Januar bis Juni haben die SBB täglich durchschnittlich 1,45 Millionen Passagiere befördert. Das waren 4 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Auch im Güterverkehr könnten die SBB im Zuge der Wiedereingliederung von SBB Cargo in den Konzern und der Neuausrichtung erstmals wieder leicht um 1 Prozent zulegen, wobei der Inlandmarkt weiterhin rückläufig sei.
Das hohe Passagieraufkommen, ein positives Immobilienergebnis und der gesteigerte Ertrag im Güterverkehr sind denn auch die Gründe für die deutliche Verbesserung des Halbjahresergebnisses. So weisen die SBB im ersten Halbjahr einen Gewinn von 126 Millionen Franken aus. Im Jahr zuvor waren es noch 48 Millionen Franken gewesen.
Das Plus von 78,8 Millionen Franken sei aber nur ein Teilerfolg, sagte SBB-Verwaltungspräsident André Wyss. Um den steigenden Investitionsbedarf für die Erneuerung der Zugflotten und den Ausbau des Angebots zu decken, benötigten die SBB einen Gewinn von jährlich 500 Millionen Franken. Längerfristig müssten es noch mehr sein, um die Verschuldung von gegenwärtig 11,5 Milliarden Franken zu stabilisieren.
Lukrativer Fernverkehr
Gewinne erzielten die SBB im Bereich der Personentransporte vor allem im Fernverkehr. Hier konnte das Ergebnis um rund 3 Millionen auf 14 Millionen Franken gesteigert werden. Im Regionalverkehr betrug der Verlust 16 Millionen Franken, was aber 23 Millionen Franken weniger waren als im Vorjahreszeitraum.
Die Verbreitung des Generalabonnements blieb mit 419'000 Stück stabil, bei den Halbtaxabos registrierten die SBB einen Zuwachs um 3,2 Prozent auf 3,5 Millionen Stück.
Als lukrativ erwies sich unter anderem als Folge der höheren Frequenzen an den Bahnhöfen vor allem das Immobiliengeschäft. Hier konnten die SBB das Ergebnis um 29 Millionen auf 176 Millionen Franken steigern. Bei der Infrastruktur Energie hingegen fiel das Ergebnis von 14 Millionen Franken unter anderem wegen gestiegenen Netznutzungsgebühren um 24 Millionen niedriger aus als im Vorjahr.
Bei der Pünktlichkeit im Personenverkehr konnten die SBB nach eigenen Angaben mit 94,1 Prozent (minus 0,4 Prozentpunkte) an den Wert des Vorjahrs anknüpfen. Zugenommen habe die Kundenzufriedenheit. Sie stieg von 79,9 auf 80,1 Punkte, was die SBB auf stabile Betriebsabläufe und zusätzliche Sitzplätze auf hoch frequentierten Strecken zurückführen.
Neuausrichtung im Güterverkehr
Die Neuausrichtung des Güterverkehrs auf den Schienen verlaufe planmässig, teilten die SBB-Verantwortlichen weiter mit. Per Anfang 2026 sei auf der Nord-Süd-Achse ein Testbetrieb eines Shuttles im kombinierten Verkehr gestartet worden.
Als nächstes werde auch der nationale Einzelwagenladungsverkehr neu ausgerichtet mit dem Ziel, die vom Bund geforderte Eigenwirtschaftlichkeit im Güterverkehr bis 2033 erfüllen zu können.
Zu den konkreten Projekten im Paket Bahnausbau «Verkehr 45» wollten sich die SBB-Verantwortlichen an der Medienkonferenz noch nicht äussern. Man werde sich im Rahmen der Vernehmlassung konkret einbringen. Dabei werde aber der Erhalt der bestehenden Infrastruktur Vorrang behalten, betonte SBB-CEO Vincent Ducrot.
Wiedereingliederung von SBB Cargo begrüsst
Die Gewerkschaft SEV und der Personalverband Transfair begrüssten in Stellungnahmen insbesondere die Wiedereingliederung von SBB Cargo in den Konzern. Es gelte nun aber darauf zu achten, dass SBB Cargo konzernintern nicht den Kürzeren ziehe, so die Gewerkschaft des Verkehrspersonals.
Transfair wiederum teilte mit, dass der nach wie vor existierende finanzielle Druck des Bundes auf die SBB nicht zulasten der Mitarbeitenden gehen dürfe. In den anstehenden Lohnverhandlungen brauche es Verbesserungen bei den Anstellungsbedingungen.
(AWP)
