«Die amerikanische Demokratie lebt. Und sie ist widerstandsfähiger, als ihre Untergangspropheten behaupten», schreibt etwa der «Blick» in einem Artikel mit dem Titel «Totgesagte wählen länger». Wer enttäuscht, werde abgestraft. «Das ist die Kraft der Demokratie.»
Auch das Newsportal «Watson» schreibt: «Nach dem Frust von 2024 lässt sich feststellen: Amerikas Demokratie ist nicht verloren».
«Die US-Wähler haben ihrem Präsidenten eine Lektion erteilt. Das widerlegt alle, die der amerikanischen Demokratie das Ende prophezeit haben», heisst es auch beim überregionalen CH-Media-Newsportal «Schweiz heute». «Wer jede autoritäre Grenzüberschreitung bereits zum Beweis für das Ende der Demokratie erklärt, unterschätzt ihre Widerstandskräfte.»
Trump wird abgestraft
Genau diese hätten die Amerikaner nun eindrucksvoll unter Beweis gestellt. «Sie haben einen Präsidenten abgestraft, der ihnen Wohlstand und Frieden versprochen hatte, stattdessen aber mit seinen politischen Alleingängen und einem Krieg gegen den Iran für Unzufriedenheit sorgte. Das sollte uns auch in Europa Mut machen», heisst es bei «Schweiz heute» weiter.
Auch in den «Tamedia»-Zeitungen wird Donald Trumps Politik als ein Grund für die Schlappe der republikanischen Partei thematisiert: «Donald Trump hat die Midterms zu einem Referendum über seine Politik und seine Person gemacht. Von beidem haben US-Wählerinnen und -Wähler offenbar genug: Genug von einer Wirtschaftspolitik, die vor allem seinen superreichen Freunden und seiner Familie dient.»
Auch hätten die Amerikanerinnen und Amerikaner «genug von den hohen Preisen im Supermarkt und an der Tanksäule. Genug von einer Inflation, die Trump angetrieben hat mit seinem schlecht geplanten Irankrieg und unnötigen Zöllen gegen Verbündete wie das befreundete Kanada». Und genug hätten «auch die Latinos, die Trump 2024 gewählt haben und nun wegen der Exzesse der Einwanderungsbehörde ICE erschüttert sind».
«Donald Trump hatte den Amerikanern versprochen, alle ihre Probleme zu lösen. Aber mit Ausnahme der Grenzsicherung ist alles nur schlechter geworden. Dafür erhält der Präsident bei den Zwischenwahlen eine Abfuhr», schreibt auch die «Neue Zürcher Zeitung».
Demokraten müssen liefern
Nun müssten die Demokraten «Resultate liefern, die ihren Wählerinnen und Wählern Erleichterung bringen, vor allem, was die Lebenshaltungskosten betrifft. Und das wird schwierig genug, weil der Präsident mit seinem Vetorecht den Kongress blockieren kann», heisst es wiederum in den «Tamedia»-Zeitungen.
In einem Sieg stecke zudem «immer der Keim der Niederlage». Das gelte ganz besonders für die Demokratische Partei. «Gewählt wurden bei den Midterms Kandidaten und Kandidatinnen, die sich gegen Trump und dessen Platzhalter gestellt haben, und weniger die Partei der Demokraten, die gemäss Umfragen einen ähnlich schlechten Ruf hat wie Trump. Und nun drohen sich die innerparteilichen Kämpfe zwischen dem progressiven, zuweilen linksradikalen und dem moderaten Flügel der Partei zu verschärfen.» Es liege in der Hand der Sieger und Siegerinnen, dass es nicht so weit kommt.
Und auch der «Blick» schreibt: «Driften die Demokraten nach links ab, setzen sie erneut auf ein langwieriges Amtsenthebungsverfahren, verzetteln sie sich in Woke-Debatten und spürt die Mittelschicht keine Entlastung im Portemonnaie, dann kassieren sie in zwei Jahren dieselbe Ohrfeige wie jetzt die Republikaner. Mit einem Unterschied: 2028 steht das Weisse Haus zur Wahl.»
(AWP)
