Das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) dürfte im laufenden Jahr ohne internationale Sportereignisse um 1,9 Prozent zulegen, wie die KOF-Ökonomen am Mittwoch mitteilten. Im Sommer hatten sie noch ein Plus von 0,8 Prozent erwartet. Für 2027 und 2028 erwartet das Institut ein Wachstum von 1,7 Prozent.
«Das zweite Quartal lief erstaunlich gut», erklärte KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm an einer Medienkonferenz in Zürich. Zudem seien frühere Daten revidiert worden. «Daraus ergibt sich ein höheres Potenzial für die Schweizer Wirtschaft.»
Konkret legten die Warenexporte zwischen April und Juni 2026 kräftig zu. Diese wurden insbesondere von den Pharmaexporten getrieben. Aber auch der private Konsum sowie die Bau- und Ausrüstungsinvestitionen entwickelten sich positiv. «Beim Konsum wäre sogar noch Luft nach oben», sagte Sturm. Denn die verfügbaren Einkommen seien in den letzten Jahren stärker gestiegen als der Privatkonsum.
Hartnäckige Arbeitslosenquote wegen KI
Beim Arbeitsmarkt zeigt sich allerdings ein gemischtes Bild. Für das Stellenwachstum sind die Ökonomen deutlich optimistischer als zuvor. Sie rechnen 2026 mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent nach lediglich 0,5 Prozent im Sommer.
«Der hohe Jahreszuwachs ist allerdings wesentlich auf die Datenrevisionen und das kräftige erste Halbjahr zurückzuführen», heisst es. Für die zweite Jahreshälfte erwartet das Institut nur noch einen geringen Stellenaufbau.
Zudem bleibe die Arbeitslosigkeit erhöht. «Ein Grund ist wahrscheinlich die Künstliche Intelligenz», sagte Sturm. Denn Hochqualifizierte in von KI-gefährdeten Stellen seien überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen. Das KOF Institut rechnet im Jahresdurchschnitt 2026 und 2027 mit einer Arbeitslosenquote nach Seco-Definition von jeweils 3,1 Prozent. Erst 2028 soll sie leicht auf 3,0 Prozent zurückgehen.
Was die Löhne betrifft, dürfte sich das Nominallohnwachstum bis 2027 weiter abschwächen. Real - also unter Berücksichtigung der Inflation - könnten die Löhne aber leicht steigen. Die KOF-Experten erwarten im laufenden und kommenden Jahr eine Inflation von 0,6 Prozent.
Unsicherheit bleibt hoch
Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft seien zwar relativ gut, allerdings bestünden weiterhin auch Unsicherheiten, wie die KOF-Ökonomen betonten. Sie verwiesen dabei auf die Situation im Nahen Osten, die US-Zollpolitik und die steigenden Anleihenrenditen.
«Eine weitere Eskalation der Konflikte im Nahen Osten könnte die Energieversorgung stärker beeinträchtigen und den Energiepreisschock verlängern», so die Prognose. Auch neue US-Zölle oder eine schwächere Entwicklung wichtiger Absatzmärkte könnten die Schweizer Exportwirtschaft belasten.
Es gibt aber auch Potenzial für eine weitere Korrektur nach oben, etwa wenn sich der Iran-Krieg entspannt oder europäische Investitionsprogramme schneller umgesetzt werden als angenommen. Darüber hinaus könnten sich KI-Investitionen auch in der Schweiz positiv niederschlagen. «Dann könnten wir von einem Aufschwung statt von einer Erholung reden», meinte Sturm.
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(AWP)
