An den Finanzmärkten führte die Niederlage Trumps zu leichten Verlusten beim US-Dollar. Die Futures auf die US-Aktienindizes gaben ebenfalls etwas nach.

Weniger Spielraum für Trump

Der Verlust der Kongress-Mehrheiten ist eine herbe Niederlage für Trump und wird ihm das Regieren erschweren. Die Demokraten werden ab Januar bei der Gesetzgebung den Ton angeben. Im Senat müssen Kandidaten für wichtige Regierungsposten und Richter bestätigt werden.

Zudem können die Demokraten im Kongress Untersuchungen gegen den Präsidenten und dessen Regierung einleiten. Sie haben schon länger zahlreiche Themen im Visier: geschäftliche Aktivitäten der Trump-Familie, das teils tödliche Vorgehen von Beamten im Zuge der Razzien gegen Migranten oder umstrittene Renovierungs- und Bauprojekte in der Hauptstadt Washington.

Besonders relevant ist, dass sie damit auch die Möglichkeit haben, Trumps Haushaltspläne zu torpedieren. Diesen Hebel könnten die Demokraten nutzen, um Republikaner zum Entgegenkommen bei Anliegen ihrer Partei zu drängen. Der führende Demokrat Hakeem Jeffries ist nun auf Kurs, der erste schwarze Sprecher des Repräsentantenhauses zu werden.

Die Verfassung räumt dem Repräsentantenhaus auch das Recht ein, Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) einzuleiten. Der Senat entscheidet dann über die tatsächliche Amtsenthebung - dafür ist aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich, was nur schwer erreichbar ist. Die Demokraten hatten zuletzt wenig Ambitionen gezeigt, erneut ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump zu starten. In seiner ersten Amtszeit scheiterten die Impeachments im Senat.

Trump kündigte an, die Ergebnisse der Kongresswahlen zu akzeptieren. «Wir werden mit den Demokraten zusammenarbeiten, und wir freuen uns schon darauf. Wir werden wahrscheinlich eine Lösung finden», sagte er der «New York Times». Zuvor war darüber spekuliert worden, ob Trump den Ausgang der Wahl anerkennen würde. Er kann Gesetzesinitiativen der Demokraten per Veto blockieren. Noch in der Wahlnacht postete er ein Bild einer roten Mütze mit der Aufschrift «Veto» auf seiner Plattform Truth Social.

Überraschend klares Rennen um Senat

Im Senat haben die Republikaner aktuell eine Mehrheit von 53 Stimmen - nachdem die Demokraten bei der Wahl vor zwei Jahren eine Schlappe einstecken mussten. Für die Kontrolle über den Senat mussten die Demokraten den Republikanern netto vier Sitze abnehmen. Noch während in einigen engen Rennen die Auszählung lief, konnten sie schon fünf Mandatswechsel verbuchen.

Der erste «Flip» gelang in North Carolina dem ehemaligen demokratischen Gouverneur Roy Cooper. Dann folge South Carolina, wo die von Trump unterstützte Darline Graham Nordone ihren Sitz an die Demokratin Annie Andrews verlor. In Texas wurde James Talarico zum ersten Demokraten seit fast 40 Jahren, der den Bundesstaat im US-Senat vertritt. Er gewann gegen den von Präsident Donald Trump unterstützten republikanischen Kandidaten Ken Paxton. Tech-Milliardär Elon Musk hatte Paxtons Wahlkampf mit mehr als 150 Millionen Dollar unterstützt.

In Kansas eroberte Adam Hamilton den ersten Senatssitz für den Demokraten seit 1932. In Ohio holte sich der Demokrat Sherrod Brown den Sitz, den einst der heutige republikanische Vizepräsident JD Vance hielt. In Georgia verteidigte der einst als Wackelkandidat geltende Demokrat Jon Ossoff mit Leichtigkeit seinen Sitz.

Bei den Parlamentswahlen in der Mitte der Amtszeit von Präsident Trump wird über alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie 35 der 100 Senatssitze entschieden.

Abrechnung mit Trump

US-Wähler gingen mit enormer Unzufriedenheit über Trump zur Parlamentswahl. In einer grossen Umfrage unter Wählern machten 62 Prozent die Politik des Präsidenten für den Preisanstieg im Land verantwortlich, wie US-Fernsehender berichteten. 37 Prozent zeigten sich unzufrieden mit der Lage im Land - und 38 Prozent sogar wütend darüber.

Der Umfrage zufolge war die Wirtschaftslage für 39 Prozent der Wähler das zentrale Thema. Den Amerikanern sind vor allem die infolge von Trumps Iran-Krieg stark gestiegenen Spritpreise ein Dorn im Auge. Sie wuchsen besonders rasant - zum Teil um mehr als 70 Prozent - in der Mitte des Landes, in der die Republikaner traditionell besser abschneiden.

In der Wählerbefragung sagten 40 Prozent, die Wirtschaftslage in den USA sei «nicht so gut», und 35 Prozent bezeichneten sie als schlecht. Fast zwei Drittel sagten, Trumps Importzölle hätten der Wirtschaft geschadet. Anders als früher trauen 43 Prozent eher den Demokraten zu, die Wirtschaft in Gang zu kriegen - gegenüber 38 Prozent für die Republikaner.

Für die Erhebung im Auftrag grosser Medien wurden laut CNN rund 100.000 Wähler befragt. Angaben von Wählern am Wahltag wurden mit Angaben von Früh- und Briefwählern kombiniert, die seit dem 19. Oktober online oder per Telefon befragt wurden.

Trump hatte sich als zentrale Figur in den Wahlkampf der Republikaner eingebracht. Er reiste unermüdlich von Bundesstaat zu Bundesstaat und hatte für seine Anhänger stets dieselbe Botschaft im Gepäck: «Stellt euch vor, ich stünde auf dem Stimmzettel». Am Wahlabend wollte er davon aber nichts mehr wissen: «Ich stand nicht auf dem Wahlzetteln», schrieb er./so/DP/zb

(AWP)