Diese Entwicklung habe weit vor der zweiten Amtszeit von Donald Trump als Präsident der USA begonnen, so Budliger Artieda weiter. «Das Regelwerk der Welthandelsorganisation ist geschwächt. Das Bemerkenswerte an Präsident Trump ist, dass er all dies selbst sehr deutlich sagt und mit seinen Entscheidungen auch ans Tageslicht bringt.»
Budliger Artieda sieht nicht nur die internationale Ordnung, sondern die gesamte westliche Welt in einer Identitätskrise. Europa habe die «30 Jahre Friedensdividende» nach dem Mauerfall möglicherweise nicht richtig genutzt und zu sehr darauf vertraut, dass sich alle an die Spielregeln halten. «Wir müssen uns heute eingestehen, dass wir wahrscheinlich über weite Strecken zu naiv gewesen sind.»
Was die Zollpolitik der Schweiz mit den USA angeht, strebe der Bundesrat weiterhin den Abschluss eines rechtsverbindlichen Abkommens an, sagte Budliger Artieda ohne Details zu nennen. «Die Verhandlungen laufen, ich kann Ihnen nicht mehr dazu sagen.»
Schweiz geopolitisch gut positioniert
Einen Abstieg der Schweiz hält die Seco-Chefin für vermeidbar. Das Land sei geopolitisch gut positioniert, müsse aber «seine Hausaufgaben machen». Als zentrale Herausforderung nennt sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Bevölkerung verstehe offenbar den Nutzen einer starken Wirtschaft nicht mehr, während es der Wirtschaft nicht gelinge, ihre Bedürfnisse zu vermitteln.
International müsse die Schweiz derweil aktiver auftreten. «Das ist ein People's Business», sagte Budliger mit Blick auf Handelsbeziehungen. Niemand in Washington, Brüssel, Peking oder Delhi warte auf die Schweiz. «Wenn wir dann mal vor der Tür stehen und das Gespräch suchen, werden wir wahrgenommen.» Der kleine Heimmarkt allein sei kein überzeugendes Angebot, Freihandelsabkommen blieben ein wichtiges Instrument.
mk/
(AWP)
