Der Schweizer Pharmakonzern Roche stellt wegen der Sparpolitik der Bundesregierung im Gesundheitswesen alle künftigen Investitionen in Deutschland vorerst auf den Prüfstand. «Wir haben sämtliche künftigen Investitionsentscheidungen in Deutschland erst einmal auf Hold gesetzt», sagte Roche-Deutschlandchef Daniel Steiners der Zeitung «Welt» (Montagausgabe). «Für den Pharmabereich kann ich sagen, dass die Politik zuletzt sehr viel Vertrauen zerstört hat.» Bereits getroffene Entscheidungen, wie der mehr als 600 Millionen Euro teure Ausbau des bayerischen Standorts Penzberg, seien davon jedoch nicht betroffen, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters.
Steiners forderte verlässliche Rahmenbedingungen. Mit Blick auf das Gesetz zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge (GKV) sagte er: «Statt die strukturellen Probleme der GKV anzugehen, setzt die Politik auf kurzfristige Einsparungen und zusätzliche Belastungen für die Industrie.» Die geplante Standortklausel zur Entlastung forschender und produzierender Pharmaunternehmen bei den Herstellerrabatten könne die negativen Folgen des Gesetzes nur teilweise abfedern. Nötig sei eine umfassende Strategie. Steiners lobte zudem die USA für ihre Industriepolitik. «Europa sollte vor allem lernen, sich wieder anzustrengen», erklärte der Manager.
Die Sparpläne der Bundesregierung sorgten in der Pharmabranche zuletzt für erhebliche Unruhe. Der US-Konzern Eli Lilly kündigte im Sommer an, seine geplanten Investitionen in Deutschland von 2,3 Milliarden Euro zu halbieren. Boehringer Ingelheim strich geplante Ausgaben von 900 Millionen Euro komplett. Roche beschäftigt in Deutschland rund 18.000 Mitarbeiter. Der Konzern aus Basel investierte nach eigenen Angaben seit 2020 hierzulande fast 3,8 Milliarden Euro.
(Reuters)

