«Das Wachstum im zweiten Quartal hat positiv überrascht», sagte Schlegel. Zwar hätten insbesondere die Pharma- und Chemieindustrie dazu beigetragen, doch sei die Entwicklung auch ohne diese Sonderfaktoren breit abgestützt gewesen.
Sorgen bereiten Schlegel die gestiegenen Energiepreise. Sie belasteten die Weltwirtschaft und trieben die Inflation in der Schweiz im Oktober auf 1,5 Prozent. Seit der letzten geldpolitischen Lagebeurteilung habe die Teuerung weiter zugenommen. «Bis jetzt haben wir keine signifikanten Zweitrundeneffekte gesehen», sagte er mit Blick auf mögliche weitere Preis- und Lohnsteigerungen. Sollte die Preisstabilität gefährdet sein, werde die SNB ihre Geldpolitik anpassen.
Mit Blick auf die politische Instabilität und die steigende Staatsverschuldung in Europa äusserte sich Schlegel besorgt. Europa sei der wichtigste Handelspartner der Schweiz, weshalb diese ein grosses Interesse an dessen Stabilität habe. «Eine nachhaltige Fiskalpolitik ist dafür enorm wichtig.» Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe jüngst gewarnt, dass die Entwicklung der Staatsverschuldung in vielen Ländern nicht nachhaltig sei und es jetzt Zeit sei, zu handeln.
Die Schweiz stehe bei der Staatsverschuldung vergleichsweise gut da. Schlegel führte dies unter anderem auf die Schuldenbremse zurück, die wesentlich zur Stabilität des Landes beigetragen habe. Zur Diskussion über zusätzliche Staatsausgaben und mögliche Sonderfonds, die die Schuldenbremse umgehen könnten, wollte er sich hingegen nicht äussern. Über die Verwendung der öffentlichen Mittel müssten Regierung und Parlament entscheiden.
to/rw
(AWP)
