Die Aktie zog in der Frühe zunächst mit zeitweise fast sieben Prozent auf ein Hoch seit Mitte Juli, zuletzt betrug das Plus dann noch knapp drei Prozent. Damit setzt sich die jüngste Erholung fort, nachdem zuvor der Kurs von seinem im Juni erreichten Rekordhoch bei 48,42 Euro um fast ein Fünftel zurückgefallen war.
So hatten etwa zuletzt Befürchtungen von Investoren über zu hohe Brancheninvestitionen und Aktienbewertungen auf KI-Titeln weltweit gelastet - diesem Sog konnte sich auch Jenoptik an der Börse nicht entziehen. Dennoch kostet eine Aktie aktuell mehr als doppelt so viel wie zum Jahreswechsel. Damit bleibt das Papier als einer der wichtigsten deutschen KI-Profiteure.
Jenoptik peilt nunmehr nach eigenen Angaben für das Gesamtjahr einen Umsatz und die operative Marge jeweils in der oberen Hälfte der bisherigen Prognosepannen an. Bislang ist für 2026 ein Erlösplus im einstelligen Prozentbereich vorgesehen und eine Marge gemessen am Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 19 bis 21 Prozent. Rückenwind rechnet sich der Konzern vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) aus. Wegen der angekündigten massiven Investitionen in Rechenzentren werde hier «eine deutlich positive Entwicklung erwartet», hiess es im Quartalsbericht.
Analysten reagierten positiv auf die Zahlenvorlage. Jefferies-Experte Henrik Paganetty sprach von einem starken Bericht, zudem habe der Auftragseingang im zweiten Quartal um 15 Prozent über den durchschnittlichen Erwartungen von Experten gelegen. Auch Malte Schaumann vom Analysehaus Warburg Research hob den starken Auftragseingang hervor - die starke Buchungssituation habe sich im zweiten Quartal fortgesetzt.
Noch im vergangenen Jahr hatte der Konzern eine schwächere Nachfrage aus der Chip- sowie der Automobilindustrie zu spüren bekommen und einen Umsatz- und Gewinnrückgang verbucht. Seit der zweiten Jahreshälfte 2025 stabilisiert sich aber bereits das Halbleitergeschäft, eine echte Trendwende mit stark steigenden Aufträgen ist seit Jahresbeginn zu beobachten.
Im zweiten Quartal zog der Konzern, der unter anderem den weltgrössten Chipindustrieausrüster ASML beliefert, mit 366,6 Millionen Euro gut ein Drittel mehr Aufträge an Land als vor einem Jahr.
Der Umsatz kletterte in den drei Monaten bis Ende Juli im Vorjahresvergleich moderat um 3 Prozent auf 262 Millionen Euro. Zugleich erhöhte sich im zweiten Quartal das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 28 Prozent auf 54,5 Millionen Euro, und die entsprechende Marge stieg von zuvor 16,7 auf 20,8 Prozent. Analysten hatten hier weniger auf dem Zettel. Nach Steuern wies der Konzern einen Gewinn von 23 Millionen Euro aus, das waren 43 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Jenoptik profitierte dabei im Tagesgeschäft neben den Kostensenkungsmassnahmen des Vorjahres auch von einem besseren Produktmix. Hinzu kam die stärkere Auslastung im Halbleiterbereich. Das Segment verbuchte im ersten Halbjahr einen kräftigen Ergebnissprung, nachdem im Vorjahr noch Kosten für den Umzug an den neuen Standort in Dresden belastet hatten.
Auch im Geschäft mit optischen und digitalen Systemen für die Verkehrsüberwachung und öffentliche Sicherheit zog der Betriebsgewinn deutlich an. Das Geschäftssegment «Metrology & Production Solutions» schrieb derweil im ersten Halbjahr rote Zahlen, Grund sei unter anderem die weiterhin schwierige Marktsituation in der Autoindustrie gewesen, hiess es.
Jenoptik ist aus dem Carl-Zeiss-Konzern hervorgegangen und hat in den vergangenen Jahren seinen Umbau zur Photonik angestossen. Der Konzern fokussiert sich auf bestimmte Wachstumsmärkte, zu denen er neben den Halbleitern und Elektronik auch Medizintechnik, Biowissenschaften und Smart Mobility zählt./tav/err/mis
(AWP)
