Im Mittel bezahlt ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden 2027 26,45 Rappen pro Kilowattstunde. Das ergibt 1194 Franken oder 53 Franken weniger im Jahr. Das gab die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) am Dienstag in Bern bekannt.

«Auf recht hohem Niveau»

Die Stromtarife haben sich in den Worten der Elektrizitätskommission «auf einem recht hohen Niveau» stabilisiert. Dass sie insgesamt leicht sinken, sei im Wesentlichen auf günstigere Energiepreise zurückzuführen. Insbesondere weil Beschaffungsverträge mit hohen Preisen auslaufen, sinken bei vielen Versorgern die Energietarife.

Schon für das laufende Jahr gingen die Stromtarife im Vergleich zum Vorjahr um rund vier Prozent zurück. 2025 hingegen hatte der Rückgang zehn Prozent betragen, nach teils grossen Preisanstiegen in den Jahren 2023 und 2024. Diese sind mit den Rückgängen noch nicht wettgemacht.

Die Zahlen sind allerdings Medianwerte. Je nach Netzbetreiber variieren die Tarife beträchtlich. Zurückzuführen sei das vor allem auf Unterschiede bei der Energiebeschaffung. Abhängig ist dieser Kostenpunkt vom Anteil des selbst produzierten Stroms und der Beschaffungsstrategie.

Mehrere Preiskomponenten

Konkret wollen drei Viertel der rund 580 Netzbetreiber im nächsten Jahr tiefere Preise verrechnen. Bei 24 Prozent steigen die Preise, beim letzten Prozent bleiben sie gleich. Die Tarife 2027 der einzelnen Gemeinden und Verteilnetzbetreiber sind online bei der Elcom abrufbar.

Die Strompreise setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. Der Energietarif geht von 12,1 auf 11,4 Rappen pro Kilowattstunde zurück. Der Netztarif hingegen steigt von 10,7 auf 10,9 Rappen pro Kilowattstunde.

Der erstmals separat ausgewiesene Messtarif steigt um rund 4 Franken auf Fr. 74.40 auf Fr. 78.48 pro Jahr und Haushalt. Allerdings gibt es hier eine grosse Streuung. Die Elcom nahm bei 240 Netzbetreibern mit Auffälligkeiten vertiefte Prüfungen vor und will dieses Monitoring weiterführen.

Stabil bleiben mit einem Rappen die Abgaben an die Gemeinwesen und mit 2,3 Rappen der Netzzuschlag. Kleiner als im Vorjahr sind mit 0,17 Rappen pro Kilowattstunde (Vorjahr: 0,41 Rappen) die Beiträge der Konsumentinnen und Konsumenten für die Stromreserve.

Mehr Kosten für Überbrückungshilfen

Höher werden die solidarisierten Kosten für Überbrückungshilfen an Stahl- und Aluminiumproduzenten sein. Verrechnet werden 0,19 Rappen (Vorjahr: 0,05 Rappen) pro Kilowattstunde. Für mittelgrosse Betriebe zeige sich ein ähnliches Bild wie für die Privathaushalte, so die Elcom.

Die Stiftung für Konsumentenschutz bemängelt in einer Mitteilung das komplexer gewordene Tarifangebot. Zahlreiche Versorger führten 2027 zusätzliche Tarifmodelle ein, um auf die veränderte Versorgung mit Photovoltaik-Anlagen und den veränderten Bedarf durch Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge zu reagieren.

«Es braucht eine Anpassung an die neue Stromproduktion mit erneuerbaren Energien», liess sich Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes, zitieren. Handhabe das aber jede Gemeinde anders, führe das zu einem Tarifchaos. Profitieren können laut Konsumentenschutz vor allem Haushalte mit moderner Infrastruktur.

Noch keine Auswirkungen des Iran-Kriegs

Bei den Preisen für Endkunden noch nicht bemerkbar macht sich der Iran-Krieg, auch wenn die Preise im Grosshandel bereits stark gestiegen sind. Hingegen seien die derzeit wenig gefüllten Stauseen nicht matchentscheidend für die Strompreise, sagte Felix Vontobel, Vizepräsident der Elcom, auf eine Journalistenfrage.

Denn die von der Elcom erwarteten Ausfälle im Umfang von 800 oder 900 Gigawattstunden Strom seien weniger als die durch den Ausfall des AKW Gösgen weggefallenen rund 4000 Gigawattstunden. Die Branche geht laut Vontobel von einem Verlust von 400 bis 500 verlorenen Gigawattstunden Strom wegen des tiefen Stauseen-Füllstandes aus.

(AWP)