«Traditionell dominieren in unserer Region Westwindlagen - das ändert sich», sagte der Direktor des Euroairports mit Verweis auf Messdaten des französischen Wetterdiensts Météo-France. Weil die Hauptpiste in Nord-Süd-Richtung liege, sei der Handlungsspielraum des Flughafens begrenzt, sagte Markert in dem am Montag online veröffentlichten Interview.

Bei starkem Wind aus Norden müssen die Flugzeuge laut ihm aus Sicherheitsgründen von Süden her landen. Im Juli habe der Wind besonders häufig aus Norden geweht. Deshalb sei die Anzahl Südlandungen im vergangenen Monat aussergewöhnlich hoch gewesen. Zudem sei der Wind oft stärker als gewöhnlich gewesen.

Für das Jahr 2026 liege der Anteil von Südanflügen bisher bei rund 20 Prozent, sagte der Flughafendirektor. Ein bilaterales Abkommen zwischen Frankreich und der Schweiz sieht eigentlich einen Zielwert von acht Prozent vor.

Dieser Wert sei den Fluglotsen im Tower bewusst, sagte Markert. Sie seien darum bemüht, den Anflug möglichst lange von Norden her aufrechtzuerhalten. Dies auch, weil Nordanflüge operativ günstiger seien. Ausserdem daure eine Umstellung der Flugrichtung rund eine halbe Stunde. «Das macht man nicht leichtfertig», sagte der Flughafendirektor.

Gemeinden im Süden sind unzufrieden

Die Baselbieter Gemeinde Allschwil schrieb in einer Medienmitteilung Mitte August von 43,7 Prozent Südanflügen im Juli. Dies markiere einen «besorgniserregenden Höchststand der Lärmbelastung in der Region». Allschwil fordere nun gemeinsam mit anderen betroffenen Gemeinden ein Einschreiten der Behörden und des Euroairport.

Ebenfalls an die Öffentlichkeit gegangen ist Binningen BL. Anfang August verschickte Gemeinderat Philippe Meerwein (SP), der auch für die Fluglärmthematik zuständig ist, eine Mitteilung an die Medien. Darin kritisierte er, dass die Südanflugquote zu hoch sei und das Nachtflugverbot nicht eingehalten werde.

(AWP)