Der Abbau ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung des Betriebsmodells, die Sunrise derzeit prüft. Das Unternehmen will seine Organisation stärker auf Kundenbindung, Netzqualität und einen zuverlässigen Betrieb ausrichten, wie es hiess. Gleichzeitig sollen neue Angebote und Innovationen schneller entwickelt und auf den Markt gebracht werden.

Sunrise nimmt dabei sämtliche Geschäftsprozesse unter die Lupe, wie Firmensprecher Rolf Ziebold der Nachrichtenagentur AWP auf Anfrage sagte. Dazu gehörten sowohl kundenbezogene als auch interne Prozesse und die dafür eingesetzten Systeme. «Konkrete Angaben zum künftigen Betriebsmodell können derzeit noch nicht gemacht werden, da die umfassende Evaluation noch läuft.»

Grundsätzlich seien alle Tätigkeitsbereiche im Fokus des anzupassenden Betriebsmodells. Mitarbeitende in Shops, Verkauf und Kundendienst sollen allerdings vom Stellenabbau weitgehend verschont bleiben, Lernende vollständig, sagte Ziebold weiter.

Künstliche Intelligenz (KI) spiele bei den Überlegungen eine Rolle. «Der breite Einsatz von KI und Automatisierung werden dabei ebenfalls evaluiert», sagte Ziebold. «Eine Gleichung 'Neue Technologien = X reduzierte Stellen' lässt sich aber nicht anstellen.»

Kosten sollen deutlich sinken

Ein wesentliches Ziel des Umbaus sind tiefere Kosten. Sunrise erwartet durch das Transformationsprogramm mittelfristig «erhebliche Kosteneinsparungen», ohne diese bislang zu beziffern. Neben dem möglichen Stellenabbau sollen dafür auch die Verträge mit Zulieferern systematisch überprüft werden.

Auch auf Nachfrage wollte Sunrise keine konkrete Sparsumme nennen. «Zum heutigen Zeitpunkt beziffern wir diese nicht, da die Evaluation noch nicht abgeschlossen ist», sagte Ziebold.

Parallel versucht Sunrise, auch beim Mobilfunknetz effizienter zu werden. Im August kündigte das Unternehmen eine geplante Zusammenarbeit mit Konkurrent Salt beim Netzausbau in ländlichen Gebieten an. Durch die gemeinsame Nutzung ausgewählter Mobilfunkstandorte sollen unter anderem Investitionen gezielter eingesetzt und Kosten gesenkt werden.

Das Konsultationsverfahren zum Stellenabbau mit der Arbeitnehmervertretung und der Gewerkschaft Syndicom ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Erst nach Abschluss der laufenden Prüfung will Sunrise weitere Einzelheiten zur Transformation bekannt geben.

Die Gewerkschaft Syndicom verurteilt den geplanten Stellenabbau scharf. Sie fordert das Unternehmen auf, die Pläne zu stoppen, wie es in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur AWP heisst. «Wer innerhalb weniger Monate bereits zum zweiten Mal einen massiven Stellenabbau ankündigt, versetzt die gesamte Belegschaft in einen dauerhaften Ausnahmezustand», erklärte Syndicom-Sprecher Dominik Fitze.

Aktie legt zu

In der Tat wäre es bereits der zweite grössere Stellenabbau in diesem Jahr. Anfang Jahr hatte Sunrise die Streichung von 147 Stellen angekündigt. Dieser Abbau wurde im Sommer abgeschlossen. Finanzchef Jany Fruytier sagte im August gegenüber der Nachrichtenagentur AWP, dadurch würden die Personalkosten um rund 5 Prozent sinken.

Zusammengerechnet könnten damit 2026 bis zu knapp 600 Stellen vom Abbau betroffen sein.

Die Ankündigung platzte mitten in den Börsenhandel: Sunrise veröffentlichte die Mitteilung um 13.00 Uhr. Die Aktien reagierten zunächst positiv. Am frühen Nachmittag standen die Sunrise-Papiere knapp 3,2 Prozent im Plus bei gut 41,20 Franken.

to/rw

(AWP)