Damit wolle die Swisscom ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit stärken, teilte der Telekomkonzern am Donnerstag in einem Communiqué mit. Lissabon sei eine Ergänzung zu den bestehenden Auslandsstandorten in Riga und Rotterdam. Es sei vorgesehen, dort im nächsten Jahr mit etwa 40 Mitarbeitern zu starten und mittelfristig auf rund 200 Angestellte zu wachsen.

Kritik von Gewerkschaften

Die Gewerkschaften kritisieren die Pläne. «Besonders stossend ist dieser Schritt vor dem Hintergrund, dass die Swisscom gleichzeitig sehr gute Geschäftszahlen präsentiert und den Personalbestand in der Schweiz weiter reduziert hat», schrieb Syndicom in einer Mitteilung.

Während hochwertige Funktionen in den Bereichen IT, Softwareentwicklung und Finanzen im Ausland aufgebaut würden, baue die Swisscom in der Schweiz Stellen ab. Der Konzern stelle damit die Gewinnmaximierung über das öffentliche Interesse und gefährde die Akzeptanz des Service public. Syndicom fordere von der Swisscom ein klares Bekenntnis zum Werkplatz Schweiz und zu den Arbeitsplätzen hierzulande.

Der Personalverband Transfair befürchtet, dass zugunsten von Lissabon Stellen in der Schweiz abgebaut oder nicht mehr nachbesetzt würden. «Damit schadet die Swisscom dem Schweizer Arbeitsmarkt», schrieb Transfair. Der Konzern und der Bund, dem die Swisscom mehrheitlich gehört, müssten endlich Verantwortung übernehmen.

Der neue Ableger Lissabon soll die Standorte Riga und Rotterdam ergänzen. Diese hat der Konzern bereits 2020 eröffnet, wie Transfair schrieb. 2021 folgte die Auslagerung von einem Teil des Callcenters nach Kosovo.

«Gleichzeitig wurden in der Schweiz Arbeitsplätze abgebaut oder nicht mehr nachbesetzt. Die Entwicklung hat also System. Die oft bemühte Begründung mit dem Fachkräftemangel greift dabei zu kurz - wirtschaftliche Motive wie tiefere Löhne im Ausland stehen offensichtlich im Vordergrund», kritisierte der Personalverband.

Swisscom weist Vorwürfe zurück

Swisscom-Chef Christoph Aeschlimann wies die Vorwürfe zurück. Das Bekenntnis der Swisscom zum Werkplatz Schweiz sei glasklar. Man habe knapp 15'000 Vollzeitstellen hierzulande. «Das sind weit über 90 Prozent der Mitarbeiter, die für das Schweizer Geschäft arbeiten. Die Schweiz ist der wichtigste Standort für die Swisscom und wird das weiterhin bleiben, auch wenn künftig noch 200 Beschäftigte in Portugal arbeiten», sagte Aeschlimann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

An den Standorten in Riga und Rotterdam sind aktuell rund 600 Mitarbeiter tätig. «Ein stark zunehmender Ausbau dieser Standorte war nie vorgesehen», sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

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(AWP)