Es liege auf der Hand, in Europa Fuss zu fassen mit einer Lösung, die in der Schweiz so erfolgreich ist, sagte Bürki zur «Handelszeitung» (online). «Die Schweiz ist ein interessanter Markt, aber sie ist auch ein kleiner Markt.» Erfolgen könnte die Expansion über Luxemburg, weil Swissquote dort bereits eine Tochter mit Banklizenz habe.

Die naheliegendsten Märkte wären Deutschland, Frankreich und Benelux, so Bürki. Allerdings müsse die App noch an die europäischen Mifid-Regeln angepasst werden: «Da sind wir derzeit bei etwa 85 Prozent.»

KI-Ansätze getestet

Mit der Finanzapp Yuh habe Swissquote derweil auch erste KI-Ansätze getestet, sagte Bürki mit Verweis auf den Chatbot «Yuhlia». Dieser sei zwar noch «stark gedrosselt». Man verbuche aber bereits Hunderttausende Anfragen darüber. «Da kommen die unterschiedlichsten Fragen bis hin zum Wetter.»

Absehbar werde mit den neuen Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz auch, wie man einen «Digital Coach» bauen könne. Allerdings schaue auch die Finanzmarktaufsicht Finma ganz genau darauf, was Swissquote tue. «Wir müssen darauf achten, dass die digitalen Tools nur Entscheidungshilfen bieten, selber aber keine Entscheidungen treffen oder vorschlagen.»

Mit KI sei dennoch vieles möglich: Etwa eine Aktienanalyse erstellen zu lassen oder sich über wichtige Events informieren lassen. «Das No-Go wäre eine konkrete Kaufempfehlung», sagte Bürki. Ohnehin sei die KI eine schlechte Beraterin: «Die KI widerspricht uns nicht.»

Weg zur Zweitbank

Noch bis vor fünf Jahren sei Swissquote die klassische Zweitbank für Investments gewesen, so Bürki. Doch man wolle auch die Bank für den Monatslohn werden.

Bei Yuh sei man da schon weiter, dort habe ein Fünftel der Kunden einen Lohneingang, so der Swissquote-Chef. «Bei Swissquote sind das noch weniger als 10 Prozent, allerdings mit steigendem Anteil.»

CEO bis «mindestens 2027»

Vage blieb Bürki zu seiner eigenen Zukunft: Der mittlerweile 65-jährige will aber noch «bis mindestens 2027» Swissquote-CEO bleiben. So wolle er als CEO noch den neuen Swissquote-Hauptsitz in Gland VD einweihen. «Aber es ist klar, dass man sein Baby irgendwann abgeben muss.»

Ob er dereinst in den Verwaltungsrat wechseln, bleibt derweil offen. Bürki verwies auf die vorgeschriebene «Cooling-off-Periode» für einen ausscheidenden CEO. Ausserdem habe Swissquote eine «Soft Rule», wonach im Verwaltungsrat eine Altersgrenze von siebzig gelte. «Da wird es eng.»

tp/ys

(AWP)