Es gehe nicht nur um das Überleben Taiwans, sondern auch darum, ob die internationale Gemeinschaft noch daran glaube, dass sich Gewalt nicht über Regeln hinwegsetzen dürfe, betonte der Chef der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP). «Taiwan schätzt Frieden, doch wir werden unsere Freiheit nicht aufgeben», betonte er. Sein Land sei offen für Austausch, werde aber keine Unterordnung akzeptieren, sagte Lai.

China beansprucht das demokratisch regierte Taiwan für sich und will die Insel an sich binden. Regelmässig lässt China Militärflugzeuge und Kriegsschiffe um Taiwan operieren. Mit Sorge blicken Beobachter auch auf jüngste Patrouillen der chinesischen Küstenwache östlich von Taiwan. Mit diesen «Grauzonen»-Aktivitäten übt China Druck aus, überschreitet jedoch nicht die Grenze zu einem offenen Konflikt.

Taiwan wappnet sich

Wegen des drohenden Konflikts investiert Taiwan seit Jahren in seine Verteidigung und treibt derzeit unter anderem die Entwicklung von Drohnen voran. Die steigenden Verteidigungsinvestitionen hätten jedoch nicht zum Ziel, zu provozieren, betonte Lai. Taiwans wichtigster Rüstungslieferant sind die USA, was Peking ein Dorn im Auge ist.

Taiwan, dessen Wirtschaftswachstum massiv vom Boom in Künstlicher Intelligenz und der Chipindustrie profitiert, will laut Lai seine Stärken bei Halbleitern und IT-Technologie zum Schutz des Landes nutzen. Nach jüngsten Daten stieg Taiwans Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr Lai zufolge um 14,15 Prozent. 2026 könnte das Land demnach ein BIP-Wachstum von 11 Prozent erreichen - so hoch wie seit 39 Jahren nicht mehr.

(AWP)