Die Aktien von ABB fallen am Donnerstagmorgen um 1,2 Prozent auf 69,64 Franken, während der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Market Index (SMI) um 0,35 Prozent anzieht. Seit Jahresbeginn haben die ABB-Valoren um 18 Prozent hinzugewonnen.
Mit dem Barerlös aus dem Verkauf der Robotiksparte an den Finanzinvestor Softbank wird es vorerst nichts. Dies, weil die chinesischen Behörden die Übernahme des Geschäfts in China untersagt haben, wie der Schweizer Technologiekonzern am Donnerstag mitteilte. Damit steht die milliardenschwere Transaktion auf der Kippe. Zu den möglichen Folgen für den gesamten Verkauf und den nächsten Schritten wollte sich ABB auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP nicht weiter äussern.
Hintergrund sind laut einem Bericht der «Financial Times» (FT) vom Donnerstag unter anderem Sicherheitsbedenken Chinas. Die Behörden befürchteten demnach, dass Daten aus der Robotikproduktion ins Ausland gelangen und dort zum Training von KI-Modellen verwendet werden könnten. Dazu gehörten möglicherweise auch Modelle von OpenAI. Softbank ist an diesem KI-Softwareunternehmen massgeblich beteiligt.
Die Nachricht kam für ABB, Softbank wie auch für die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) überraschend, zumal die Transaktion die kartellrechtliche Prüfung bereits bestanden hatte. Die Analysten der ZKB schrieben in einer Kundennotiz, sie hätten ursprünglich einen Verkaufspreis von vier Milliarden Dollar angenommen, der deutlich unter dem Angebot von SoftBank lag. ABB hatte im Oktober 2025 vereinbart, die Sparte für einen Unternehmenswert von rund 5,4 Milliarden Dollar an Softbank zu verkaufen.
Zurück auf Feld eins?
Ob die Transaktion von ABB und Softbank noch abgeschlossen werden kann, ist offen. Das Veto aus China deutet darauf hin, dass die Transaktion in der ursprünglich angedachten Struktur kaum umzusetzen ist. Ob ein Verkauf mit angepassten Konditionen zustande kommt, wird sich wegen der angehobenen Hürden weisen müssen.
Immerhin könnte ABB auf den Plan A zurückgreifen. ABB kündigte bereits vor dem eher überraschenden Verkauf an Softbank an, die Robotiksparte eigenständig an die Börse bringen zu wollen. Es ist also denkbar, dass die Aktionärinnen und Aktionäre des Schweizer Technologiekonzerns doch noch in den Genuss eines neuerlichen Spin-Offs - so wie bei Accelleron - kommen könnten.
Bei der Abspaltung von Accelleron von der ABB am 3. Oktober 2022 erhielten ABB-Aktionäre 1 Accelleron-Aktie für je 20 gehaltene ABB‑Aktien. Insgesamt wurden 94'500'000 Namensaktien ausgegeben. Der Eröffnungspreis an der Schweizer Börse SIX lag am ersten Handelstag bei 18,00 Franken pro Aktie. Am Donnerstag notieren die Valoren bei 65,20 Franken.
Gemäss AWP-Analyser stufen drei Analysten den Titel mit «Kaufen», 14 mit «Halten» und einer mit «Verkaufen» ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 80 Franken.

