Die Aktie von Nestlé steigt am Donnerstag um 2,5 Prozent auf 80,86 Franken. Es ist der achte Tag in Folge mit einem Kurszuwachs für den Titel des Nahrungsmittelherstellers, wie die Daten von Bloomberg zeigen. Der Kurs von fast 81 Franken markiert zugleich den höchsten Stand seit zwei Monaten.

Allerdings kommt der Anstieg von einem sehr schwachen Niveau. Noch Anfang der letzten Woche erreichten die Aktien mit einem Schlussstand von 74,48 Franken den tiefsten Wert seit Mitte Februar 2026. Die Aktien waren damit auf «schlechtem Weg», die Mehrjahrestiefstände vom letzten Herbst zu testen.

Das wäre natürlich ein mittleres Debakel gewesen für Nestlé-Chef Philipp Navratil, der seit September 2025 Chef des Nahrungsmittelkonzerns ist. Er musste in der TV-Sendung «Bilanz Standpunkte» von Mitte September einräumen, dass bei Investoren nach wie vor Skepsis herrsche, ob Nestlé die angestrebten Ziele erreichen könne. Seit seiner Amtsübernahme konnte die Nestlé-Aktie nie nachhaltig die Marke von 85 Franken hinter sich lassen.

Der Absturz auf das Krisenniveau vom letzten Jahr konnte bislang nun vermieden werden. Den Nestlé-Titeln half zuletzt vor allem der Umstand, dass sich die Investoren aufgrund der Börsenverunsicherung wieder auf defensive Aktien besinnen. So legten auch Titel wie Swisscom, Sunrise oder Novartis in den letzten Tagen deutlich zu. Der Partizipationsschein von Roche befindet sich nach dem Zuwachs der letzten Tage gar nahe dem höchsten Stand seit Februar 2022.

Nestlé-Chef Navratil schielt angeblich nicht jeden Tag auf den Aktienkurs

Nach der von Russland angeordneten Fremdverwaltung der dortigen Nestlé-Geschäfte von Mitte September trafen auch keine weiteren Negativmeldungen ein. Am Dienstag nahm der Konzern eine wichtige Hürde bei der Auslagerung seines Wassergeschäfts, indem die EU-Kommission die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens mit der US-Beteiligungsgesellschaft Platinum Equity genehmigt hatte. Die Auslagerung ist Teil des Konzernumbaus unter Navratil. Der Konzern hat die Absicht, sich stärker auf wachstums- und margenstärkere Geschäftsfelder zu konzentrieren.

Navratil wird in den vergangenen Tagen und Wochen vermehrt auf den Kurs von Nestlé geschaut und seine Grundsätze wohl missachtet haben. Denn bei «Bilanz Standpunkte» gab er an, er schaue den Nestlé-Aktienkurs «nicht jeden Tag» an. Kurzfristige Massnahmen zur Kurspflege lehnt er ab. «Deswegen mache ich mich nicht verrückt, dass ich den Aktienkurs angucke und dann kurzfristige Entscheidungen treffe.» Sein Team konzentriere sich auf die Strategie, bessere Leistungsmessung und Innovation.

Navratil sieht im Kursverlauf der Nestlé-Aktie vielmehr einen Spiegel der Strategieumsetzung. Der Konzern müsse dem Markt Quartal für Quartal zeigen, dass er wieder mehr Volumen verkaufen, innovativer werden und nachhaltig wachsen könne. «Und das hat natürlich Nestlé in den letzten Jahren nicht geliefert. Da ist klar, das widerspiegelt sich im Aktienkurs.»

Der nächste Test für Navratil und die Nestlé-Aktie folgt am 22. Oktober. Dann publiziert der Konzern die Zahlen zum dritten Quartal.

Daniel Hügli
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