Afterpay-Übernahme - Twitter-Gründer Dorsey kauft Afterpay mit eigenen Aktien: ein schlechtes Zeichen für Anleger

Jack Dorsey setzt die Aktien seines US-Fintechs Square ein, um eine Übernahme in Milliardenhöhe zu finanzieren. Was Anleger darüber wissen sollten.
02.08.2021 16:00
Von Harry Büsser
Twitter Mitgründer und CEO Jack Dorsey.
Twitter Mitgründer und CEO Jack Dorsey.

IMAGO / Hindustan Times

Das US Fintech Square will das australische Fintech Afterpay kaufen. Der Preis liegt bei 29 Milliarden Dollar, was einem Aufschlag von 30 Prozent auf den letzten Schlusskurs von Afterpay entspricht.   

Jack Dorsey, der Chef von Square und Twitter will den Preis aber nicht in US-Dollar bezahlen, sondern in Aktien von Square. Das ist eher ein schlechtes Zeichen für Aktionäre.    

Günstiger Kredit oder überteuerte Aktien?  

Jack Dorsey ist Verwaltungsratspräsident und CEO in Personalunion bei Square. Er hält rund 13 Prozent der Aktien der Firma, die derzeit 112 Milliarden Dollar an der Börse wert ist. Anstatt mit Aktien von Square für die Akquisition von Afterpay zu bezahlen, könnte Dorsey auch einen Kredit aufnehmen, um in US-Dollar bezahlen. Sogar aus guten Gründen, denn Kredite sind bei den tiefen Zinssätzen derzeit günstig. Warum will Dorsey also in Aktien von seiner Firma und nicht in US-Dollar bezahlen?    

Wenn Dorsey denken würde, dass seine Square-Aktien weiter steigen, würde er wohl eher in US-Dollar bezahlen. Wenn er aber denkt, dass sie schon sehr hoch bewertet sind, ist das eine gute Gelegenheit, die Aktien als Akquisitionswährung einzusetzen.    

Alarmzeichen AOL und Time Warner  

Es kann ein Alarmzeichen für einen überbewerteten Aktienmarkt sein, wenn Unternehmen beginnen, andere Firmen mit eigenen Aktien als Akquisitionswährung zu übernehmen. Ein schillerndes Beispiel dazu aus der Vergangenheit ist die Übernahme des Medienkonzern Time Warner durch die Internetfirma AOL.

Am 10. Januar 2000 gab AOL bekannt die (umsatzmässig) viel grösser Time Warner mit eigenen Aktien im Wert von 165 Milliarden Dollar zu übernehmen. Nachdem der Deal zunächst von allen Seiten hochgejubelt wurde, platzte wenige Monate danach die Dotcom-Blase, was die Aktienkurse weltweit in die Tiefe rutschen liess. Der Eroberer AOL verkam zum Konzernstiefkind und wurde im Jahr 2009 abgestossen.    

So wird es bei Square kaum kommen, aber einen wirklich guten Eindruck hinterlässt der Deal mit den eigenen Aktien nicht. Wenn sich Akquisitionen mit eigenen Aktien an der Börse häufen, kann das für den gesamten Aktienmarkt ein Hinweis für eine Überbewertung sein.        

Dieser Artikel erschien zuerst bei handelszeitung.ch mit dem Titel: "Gefahr für die Börse: Aktien als Akquisitionswährung"