AHV-Fonds nicht von Negativzinsen befreit

Der AHV-Ausgleichfonds, der sich nun Compenswiss nennt, hat 2015 Anlageverluste erzielt. Im cash-Video-Interview erklärt Geschäftsführer Eric Breval, dass auch Negativzinsen einen Einfluss auf das Resultat hatten.
11.02.2016 16:05
Von Pascal Züger
Eric Breval, Geschäftsleiter von Compenswiss.
Bild: cash

Die unter dem Logo Compenswiss geführten Ausgleichsfonds AHV/IV/EO haben das Anlagejahr 2015 negativ abgeschlossen. Die Nettorendite auf dem Wertschriftenvermögen beläuft sich auf minus 0,77 Prozent, nach plus 7,11 Prozent im Vorjahr. Das Anlagevermögen der Ausgleichsfonds betrug per Ende Jahr 33,6 Milliarden Franken gegenüber 33,1 Milliarden Franken Ende 2014.

"Die Verluste sind nicht so gross wie sie scheinen", versucht Eric Breval, Geschäftsführer der Compenswiss, im cash-Video-Interview die negative Performance etwas zu relativieren. 2015 seien hohe Kosten durch die Währungsabsicherung angefallen, was die enttäuschende Performance der ausländischen Anleihen erkläre. Das Ergebnis sähe deshalb auch schlechter aus, als es effektiv sei. "Die Anleihen sind alle guter Qualität, aber die Volatilität der Fremdwährungen war sehr hoch." 

Für die AHV sind Anlageverluste eigentlich schlechte Nachrichten, denn sie wäre dringend auf eine positive Anlagerendite angewiesen. Im Jahr 2014 konnte die Kasse so noch davor bewahrt werden, dass sie wegen ihres negativen Umlageergebnisses in die roten Zahlen rutschte. Die AHV gab damals für die Renten mehr aus, als sie über Beiträge eingenommen hatte. Es entstand ein Minus von 320 Millionen Franken. Die Rendite aus den Anlagen konnte dieses Minus aber ausgleichen. Die definitiven Zahlen für 2015 werden Ende März publiziert.

Compenswiss ist für die zentrale Geld- und Vermögensverwaltung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), der Invalidenversicherung (IV) und der Erwerbsersatzordnung (EO) zuständig. Ihr obliegt die Aufgabe, die Gelder der ersten Säule mit marktkonformer Rendite, aber auch sicher anzulegen. Compenswiss hat sich 2014 einen neuen Namen gegeben.

Rund ein Viertel des Vermögens legt Compenswiss in Aktien an, wie die unten stehende Grafik zeigt. Die grösste Anlageklasse stellen jedoch Zinsanlagen in Fremdwährungen dar. Und letztere trugen auch am stärksten zur negativen Performance von 0,77 Prozent bei.

Vermögensallokation Compenswiss

Quelle: compenswiss

Die meisten institutionellen Anleger müssen für Gelder, die bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hinterlegt sind, einen Negativzins von 0,75 Prozent bezahlen. Im Verlaufe des Jahres 2015 verringerte die Notenbank die Zahl der vom Strafzins ausgenommenen Organe. Einzige Ausnahmen blieben Girokonten der zentralen Bundesverwaltung und des Ausgleichfonds AHV/IV/EO.

Doch die Annahme, unsere AHV-Gelder seien vom Negativzins ausgeschlossen, erweist sich als Trugschluss: "Compenswiss muss auch Negativzinsen zahlen, auch wenn wir bis zu einem gewissen Betrag davon befreit sind", so Breval. Dies deshalb, weil man nicht das ganze Vermögen bei der SNB, sondern bei verschiedenen Banken im In- und Ausland geparkt habe.

"2015 haben wir ungefähr drei Millionen Franken Negativzinsen bezahlt", sagt Breval weiter. Das sei nur ein geringer Betrag. Wo der Effekt der Negativzinsen den Ausgleichsfonds aber stärker beeinflusst, ist bei den Kosten für die Währungsabsicherung. Diese hätten sich 2015 von knappen 100 auf 200 Millionen Franken verdoppelt. "Das hat einen wesentlichen Einfluss auf das Resultat."

Verluste auch in den nächsten Jahren möglich

"Natürlich haben wir auch Verluste, wenn die Aktienmärkte wie jetzt zehn oder mehr Prozente fallen", sagt Breval. Im Unterschied zu den meisten anderen Investoren habe man jedoch verschiedene Risiko-Minimierungsmassnahmen getroffen, um die Verluste möglichst gering zu halten.

Die Aussichten an den Finanzmärkten sind weiterhin schlecht: Der Swiss Market Index (SMI) hat in diesem Jahr bereits 15 Prozent an Wert angebüsst, und auch die zehnjährigen Bundesobligationen weist eine Negativrendite von 0,35 Prozent auf. 

An der Medienkonferenz vom heutigen Donnerstag erwähnte der abtretenden Compenswiss-Verwaltungsratspräsidenten Marco Netzer dann auch, dass die nächsten Jahre performancemässig wohl nicht besser würden, da die Fundamentaldaten nicht positiv aussähen. 

Im cash-Video-Interview sagt Eric Breval ausserdem, wie es um die Finanzierung der AHV-Renten steht.

(Mit Material von SDA)