Der europäische Flugzeugbauer Airbus steuert weiter auf ein Rekordjahr zu. «Wir haben das Material, das wir brauchen, um unsere Ziele für 2026 zu erreichen», wischte Vorstandschef Guillaume Faury am Mittwoch Sorgen beiseite, der französisch-deutsche Konzern könnte erneut gezwungen sein, das Produktionsziel kurz vor Jahresende zu kappen. Es bleibe dabei, dass Airbus rund 870 (Vorjahr: 793) Verkehrsflugzeuge an die Kunden ausliefern wolle. Bis Ende September waren es 547 (2025: 507) - in den letzten drei Monaten müssten es demnach jeweils mehr als 100 sein. Der US-Erzrivale Boeing hatte zuletzt eingeräumt, er werde das Ziel von 500 ausgelieferten Maschinen in diesem Jahr nicht schaffen, weil der Hochlauf der Boeing 737 langsamer vonstatten gehe als gedacht.
Bei Boeing sind die Tragflächen der Engpass, bei Airbus sind es weiterhin die Triebwerke von Pratt & Whitney, an denen auch die Münchner MTU Aero Engines mitbaut. Sie bestimmten das Tempo des weiteren Ausbaus des Produktionstaktes für die A320-Familie, sagte Faury. «Aber wir sind in einer viel besseren Situation als in den vergangenen Jahren, was die Lieferkette angeht. Wir haben hohe Lagerbestände.» Bis Ende 2027 sollen 70 bis 75 Airbus A320 pro Monat gebaut werden, erst danach werde sich die Zahl bei 75 stabilisieren, bekräftigte der Vorstandschef.
Von den hohen Treibstoffpreisen spüre Airbus bisher nichts, sagte Faury. Weder gäbe es deswegen Stornierungen noch bäten die Fluggesellschaften um spätere Lieferungen - im Gegenteil. Weil die neuen Triebwerke weniger Kerosin schluckten und die Kunden auf der Kostenseite unter Druck seien, wollten sie die Flugzeuge so schnell wie möglich haben. Airbus sitzt auf Bestellungen von 9310 Verkehrsflugzeugen. Die Aufträge für Rüstungsgüter und das Raumfahrtgeschäft schnellten bis Ende September auf 11,5 (6,8) Milliarden Euro.
In den ersten neun Monaten des Jahres stieg der Umsatz um sieben Prozent auf 50,6 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) um acht Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Der Umsatz blieb etwas hinter den Analystenerwartungen zurück, das Ebit traf die Prognose. Bis zum Jahresende erwartet der weltgrösste Flugzeugbauer ein bereinigtes Ebit von rund 7,5 Milliarden Euro.
Zum möglichen Ersatz für das gescheiterte Kampfjet-Projekt FCAS mit Frankreich hielt sich Faury bedeckt. «Wir unterstützen die Regierungen (von Deutschland und Spanien) dabei, eine Lösung zu finden.» Ein Beitritt zum britisch-italienisch-japanischen Global Combat Air Programme (GCAP) sei eine Möglichkeit, aber nicht die einzige. Auch die schwedische Saab wird als möglicher Partner bei dem Projekt gehandelt. «Wir wollen jedenfalls Teil der Lösung sein», sagte der Airbus-Chef.
(Reuters)

