Ein 1,5-prozentiges Minus setzt am Freitag nach Handelseröffnung die Aktien von Vontobel auf 91,70 Franken zurück. Sie entfernen sich damit weiter vom Langzeithoch, das sie am Donnerstag im Handelsverlauf bei 94,40 Franken erreichten - bevor sie bei 93,10 Franken schlossen. 

Die Titel des Vermögensverwalters waren in der jüngeren Vergangenheit überaus gefragt. Seit Jahresbeginn rückten sie um 45 Prozent vor, während der Swiss Performance Index (SPI) im gleichen Zeitraum um 11 Prozent anstieg. Schub gegeben haben insbesondere die Halbjahreszahlen, die Ende Juli veröffentlicht wurden und unerwartet positiv ausfielen. 

Die Rally der Vontobel-Titel in den vergangenen Monaten sei «nicht durch die fundamentalen Entwicklungen begründet», schreibt der zuständige Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), Daniel Regli, in seiner Notiz vom heutigen Freitag. Aufgrund der ausserordentlich guten Erträgen aus strukturierten Produkten im ersten Semester erhöht der Experte seine Schätzungen zum Gewinn je Aktie (GpA) für das Geschäftsjahr 2026 zwar um 30 Prozent. Er sieht aber keine nachhaltige Entwicklung und senkt seine GpA-Schätzungen für die Jahre 2027 und 2028 um 0,4 Prozent beziehungsweise um 4,5 Prozent.

Schliesslich erwartet der ZKB-Experte für das Jahr 2027 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15x und erachtet diese Bewertung als zu hoch. Daher fällt das ZKB-Rating der Vontobel-Titel auf «Untergewichten» von «Marktgewichten». Der faire Wert je Aktie wird mit 83 Franken beziffert und impliziert einen knapp 11-prozentigen Kursverlust in den nächsten zwölf Monaten.

Die von der Nachrichtenagentur AWP erfassten Analysten sehen das durchschnittliche Kursziel bei 82,80 Franken, also auf Höhe des fairen Wertes, den die ZKB am Freitag genannt hat. Laut AWP-Analyser, in dem die ZKB nicht abgebildet ist, geben fünf Experten die Anlageempfehlung «Halten». Es gibt weder «Kaufen»- noch «Verkaufen»-Ratings.

Die Bank Vontobel blickt auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr zurück. Der Konzerngewinn stieg um 87 Prozent auf 216 Millionen Franken; Analysten hatten mit 168 Millionen Franken gerechnet. Die Summe der verwalteten Vermögen kletterte um 8 Prozent auf 252,2 Milliarden Franken und befand sich damit in den Markterwartungen. Zudem wurde eine CET1-Quote von 23,2 Prozent ausgewiesen. CET1 steht für «Common Equity Tier 1» und bezeichnet das harte Kernkapital einer Bank. Um diese Grösse dreht sich auch die Diskussion zur Regulierung systemrelevanter Banken wie der UBS.

 

Reto Zanettin
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