Aktien rauf, Kosten runterDas sind die neuen Trends bei der dritten Säule

Anbieter von Säule-3a-Fonds steigern den Aktienanteil nun auf bis zu 75 Prozent. Zudem mehren sich die Produkte, die auf passive Verwaltung mittels ETF setzen. Dies hat Vorteile für Sparer - aber auch Tücken.
04.05.2017 06:47
Von Marc Forster und Ivo Ruch
Das Schweizer Vorsorgesystem beruht auf drei Säulen.
Das Schweizer Vorsorgesystem beruht auf drei Säulen.
Bild: Pixabay

Billig und übersichtlich: Exchange Traded Funds, kurz ETF, bilden Indizes wie zum Beispiel den SMI ab und glänzen mit tiefen Gebühren. Zudem tragen sie zur Risikostreuung bei, denn sie decken ein grösseres Feld an Unternehmen ab. Diese günstigen ETF-Produkte erreichen mehr und mehr die Vorsorgewelt. So hat Swisscanto, die Fondsgesellschaft der Zürcher Kantonalbank, nun einen Säule-3a-Fonds mit 75 Prozent Aktienanteil aufgelegt - komplett auf ETF aufgebaut.

Swisscanto beziffert die Total Expense Ratio (TER), also die Verwaltungs- und Betriebskosten auf 0,38 Prozent. Für Claudine Sydler vom ETF-Spezialisten Hinder Asset Management ist dies ein guter Wert:  "Mit einer so tiefen TER-Ratio ist der Swisscanto-Fonds aus unserer Sicht attraktiv." Andere passive Säule-3a-Fonds, beispielsweise bei der Credit Suisse (CSA Mixta-BVG) oder der Postfinance, hätten eine TER-Ratio von 0,9 oder mehr (siehe dazu auch die Tabelle), was für passive Vehikel relativ hoch sei. 

Denn Gebühren sind laut Sydler erst recht ein Thema, wenn man langfristig anlegt. Zum Vergleich: Von Vermögensverwaltern aktiv gemanagte Vorsorgefonds haben TER-Ratios bis 1,6. Auf lange Sicht - und dazu ist das 3a-Sparen gedacht -  kommt somit einiges an Geld zusammen, das dem Anleger und Vorsorgesparer entgeht. Der Trend dürfte gesetzt sein: "Ich denke, dass in Zukunft mehr passive Fonds in Säule-3a-Produkten aufgelegt werden", sagt Sydler. Mehr Konkurenz in diesem Bereich sei auf jeden Fall wünschenswert.

Obligationen bergen derzeit Risiko

Aber sind hohe Aktienquoten von bis zu 75 Prozent angebracht? Sinnvoll können diese Quoten im Hinblick auf allmählich steigenden Zinsen sein. Denn je höher der Obligationen-Anteil eines Fonds, desto grösser wird mit einer Zinswende das Verlustrisiko. Was aber nicht heisst, dass ein hoher Aktienanteil automatisch für satte Renditen sorgt. Die Tabelle am Artikelende zeigt grosse Performance-Unterschiede zwischen Produkten mit ähnlich hohen Aktienquoten.

Säule-3a-Gelder können entweder auf einem Konto oder in einem Fonds parkiert werden.  Mit der Fondslösung partizipieren Sie an den Entwicklungen der Finanzmärkte, gehen aber auch ein höheres Risiko ein. Erst seit 2008 sind bei solchen 3a-Fonds Aktienquoten von mehr als 50 Prozent erlaubt. Hintergrund dieser Entwicklung dürfte das Tiefzinsumfeld und die Suche nach Rendite sein.

Auch wichtig: Das angesparte 3a-Vermögen kann jederzeit von einem Konto in einen 3a-Fonds transferiert werden – entweder vollumfänglich oder nur teilweise. Das funktioniert auch in die umgekehrte Richtung. So kann man beispielsweise nach einigen guten Börsenjahren die Gewinne realisieren, die sich im Aktienfonds angehäuft haben.

Damian Gliott von der Finanzberatungsfirma Vermögenspartner rät bei Aktien in Säule-3a-Produkten auch zu einer gewissen Vorsicht: "Beim aktuell tiefen Zinsumfeld müssen Aktien die Verluste auf den Obligationen sowie auch Gebühren ausgleichen. Säule-3a-Produkte lohnen sich erst wieder, wenn die Zinsen steigen."

Allgemein empfehlen sich aktienlastige Fonds nur über einen langen Zeithorizont; laut Experten ab zehn Jahren. In Bezug auf die 3a-Vorsorge bedeutet das: Der Anleger sollte noch unter 50 Jahre alt sein. Somit können Schwankungen an den Finanzmärkten wieder ausgeglichen werden.

Zu beachten ist auch, dass bei der Auszahlung des Säule-3a-Fonds eine Kapitalgewinnsteuer fällig wird. "Diese existiert nicht, wenn man Aktien im freien Vermögen hält", sagt Gliott. Daher sei für viele Vorsorgesparer eine Trennung von Zinsertrag und Kapitalertrag sinnvoller. Will heissen: Zinsen erhält man mit einem "normalen" Säule-3a-Konto, also ohne Fonds. Für den Kapitalertrag sorgen Aktien im freien Vermögen - so denn die Aktienkurse steigen.

Passive 3a-Vorsorgefonds im Vergleich

Fonds

Max. Aktienquote, in %

TER, in % Performance 5 Jahre, in %
Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 20 passiv VT 20 0,43 +16
Postfinance Pension 25 25 0,86 +13
CSA Mixta-BVG Index 25 30 0,9 +23
CSA Mixta-BVG Index 35 40 0,9 +28
Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 45 passiv VT 45 0,44 +28
Postfinance Pension 45 45 0,9 +24
CSA Mixta-BVG Index 45 50 0,9 +33
Raiffeisen Index Fonds - Pension Growth 67 0,84 -
Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 75 passiv VT 75 0,38 -
Postfinance Pension 75 75 0,94 -

Quellen: cash.ch, Fondsanbieter