Das grösste Institut JPMorgan Chase erzielte dank seiner Beteiligung am Kreditkartenanbieter Visa sogar den höchsten Quartalsgewinn der Geschichte. Auch bei Goldman Sachs , Wells Fargo, Citigroup und Bank of America ging es überraschend stark aufwärts. Die Aktien der Institute legten nach Handelsstart in New York auch teils kräftig zu.

Die JPMorgan-Aktie gewann zuletzt rund drei Prozent, nachdem sie erst vor Kurzem ein Rekordhoch erklommen hatte. Für das Papier von Goldman Sachs ging es an der Spitze des Leitindex Dow Jones Industrial sogar um gut acht Prozent nach oben. Die Papiere von Wells Fargo, Citigroup und Bank of America gewannen zunächst rund ein halbes bis gut zwei Prozent.

JPMorgan hatte im zweiten Quartal von sprudelnden Einnahmen in fast allen Geschäftsfeldern profitiert und die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten übertroffen. Zusätzlich strich die Bank einen Sondergewinn aus ihrer jahrzehntealten Beteiligung am Kreditkartenanbieter Visa ein, indem sie ihre bisherigen Papiere in andere Aktientypen des Kreditkartenkonzerns eintauschte. Der Gewinn daraus lag bei 4,6 Milliarden Dollar, nachdem JPMorgan in früheren Jahren mit ähnlichen Schritten insgesamt noch mehr Gewinn erzielt hatte.

Insgesamt sprang der Quartalsüberschuss der Bank nun im Jahresvergleich sogar um 41 Prozent auf knapp 21,2 Milliarden US-Dollar (18,6 Mrd Euro) nach oben, wie das Geldhaus am Dienstag in New York mitteilte. Aber auch ohne diesen Sonderposten hätte JPMorgan die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten übertroffen.

Bankchef Jamie Dimon erwartet für 2026 jetzt noch höhere Zinserträge als zuletzt. So soll der Zinsüberschuss statt rund 103 Milliarden jetzt 105,5 Milliarden Dollar erreichen. Im zweiten Quartal lag er mit 25,6 Milliarden Dollar rund 10 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Die gesamten bereinigten Erträge wuchsen um 27 Prozent auf rund 58 Milliarden Dollar.

Dimon kann sich vorstellen, die hauseigene Chase Digitalbank nach ihrem Start in Deutschland auch in Italien zu etablieren, wie er der italienischen Zeitung «Il Sole 24 Ore» sagte. Chase war hierzulande vor wenigen Wochen mit ihrem Online-Angebot und einem Tagesgeldkonto mit einem befristeten Zins von 4 Prozent an den Markt gegangen.

Bestens liefen die Geschäfte auch bei der Investmentbank Goldman Sachs. Ein boomender Handel mit Aktien und Anleihen bescherte der Bank im zweiten Quartal einen Gewinn von 6,6 Milliarden US-Dollar und damit 78 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Dabei fanden die Zuwächse auf breiter Front statt: Die gesamten Erträge der Bank stiegen um 39 Prozent auf 20,3 Milliarden Dollar. Im Aktienhandel sprangen sie um mehr als 70 Prozent in die Höhe, im Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen betrug der Anstieg knapp ein Drittel. Die Gebühreneinnahmen aus der Beratung bei Börsengängen und anderen Kapitalmassnahmen wuchsen um mehr als die Hälfte, und der Zinsüberschuss legte um gut ein Viertel zu. Analysten hatten sich insgesamt deutlich geringere Steigerungen ausgerechnet.

Auch Citigroup legte deutlich stärker zu als von Experten gedacht. Bankchefin Jane Fraser hatte der Bank einen harten Sparkurs verordnet und nun ging es deutlich aufwärts. So steigerte die Bank ihrer Erträge um 14 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar. Allein der Aktienhandel brachte rund 45 Prozent mehr Einnahmen als ein Jahr zuvor. Weil die Kosten der Bank nur um 5 Prozent wuchsen und auch faule Kredite weniger teuer zu Buche schlugen, sprang der Überschuss ebenfalls um 45 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar in die Höhe.

Ähnlich sah es bei Bank of America aus. Die Erträge legten um rund 15 Prozent auf 31,6 Milliarden Dollar zu. Im Aktienhandel wuchsen sie sogar um 70 Prozent. Die Bank legte weniger Geld für drohende Kreditausfälle zurück und der Überschuss wuchs in der Folge um rund ein Viertel auf 9,1 Milliarden Dollar.

Auch die Grossbank Wells Fargo profitierte von ihrem Investmentbanking. Mit einem Gewinn von 6,4 Milliarden Dollar im zweiten Quartal verdiente sie rund 17 Prozent mehr als im Vorjahr und übertraf die Erwartungen von Analysten. Die Erträge wuchsen um neun Prozent auf 22,6 Milliarden Dollar. «Wir profitieren eindeutig von der breit angelegten wirtschaftlichen Stärke in den USA», sagte Bankchef Charlie Scharf.

(AWP)