«Anfangs lag der Fokus auf der Kosteneffizienz chinesischer Modelle und der damit verbundenen Gefahr einer Kommodifizierung für Large Language Models», schrieb Chris Wood, Leiter der weltweiten Aktienstrategie der US-Investmentbank Jefferies, am Freitag in einem Bericht. «Doch mittlerweile wächst auch die Erkenntnis, dass China im Bereich der KI technologisch mit den USA gleichgezogen hat.»
Wood verwies auf Erhebungen von OpenRouter, einer globalen Plattform, die Daten zur KI-Nutzung zusammenträgt. Dem Bericht zufolge verarbeiteten führende chinesische Modelle auf der Plattform in der Woche bis zum 27. September 76,12 Billionen Token - ein deutlicher Anstieg gegenüber 4,37 Billionen Ende April und weit mehr als die 14,2 Billionen Token, die auf führende US-Modelle entfielen.
Diese Einschätzungen fallen in eine Zeit, in der Investoren darüber diskutieren, ob der KI-Sektor - einer der erfolgreichsten Bereiche an den weltweiten Aktienmärkten - noch weiteres Aufwärtspotenzial bietet. Zwar ist der Optimismus nach wie vor gross, doch steigende Finanzierungskosten und der zunehmende Wettbewerb zwischen den USA und China werfen Fragen darüber auf, welche Unternehmen letztlich als grösste Gewinner hervorgehen werden.
Wood von Jefferies wies zudem auf die steigenden Kreditrisiken im Zusammenhang mit dem KI-Boom hin. Er merkte an, dass die Investitionen zunehmend über Fremdkapital statt aus den Barreserven der Hyperscaler finanziert würden. Gleichzeitig schürten das Aufkommen chinesischer Modelle - wie etwa «Kimi K3» von Moonshot AI - sowie sinkende Token-Preise Zweifel daran, ob Large Language Models jemals profitabel sein könnten.
Dies könnte ein Risiko für Hyperscaler darstellen, die ihre Rechenzentrumskapazitäten in der Erwartung einer anhaltenden Nachfrage von Unternehmen wie OpenAI und Anthropic ausgebaut haben, fügte er hinzu.
(Bloomberg/cash)

