Aktionärsaktivist - Was hat Veraison bei Zehnder vor?

Der aktivistische Investor Veraison steigt beim Heizkörperhersteller Zehnder ein. Dass der Vermögensverwalter die Beteiligung ausbaut, ist wahrscheinlich.
17.11.2017 08:42
Von Lorenz Burkhalter
Gregor Greber, Mitgründer und VR-Präsident der Beteiligungsgesellschaft Veraison Capital.
Gregor Greber, Mitgründer und VR-Präsident der Beteiligungsgesellschaft Veraison Capital.
Bild: Nik Hunger

Nach dem überraschenden Ausstieg bei Leonteq war es in den letzten Monaten ruhig um Veraison geworden. Nun meldet sich der für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannte Vermögensverwalter mit Getöse zurück: Er steigt mit 3,17 Prozent der Stimmrechte und 5,3 Prozent des Aktienkapitals bei der Zehnder Group ein.

Der Hersteller von Heizkörpern und Komfortlüftungen aus dem aargauischen Gränichen gilt an der Börse seit Jahren als ein Turnaround-Kandidat. Nach mehreren Ergebnisenttäuschungen und Gewinnwarnungen haftet ihm gar ein bisschen der Ruf des Sorgenkinds an.

Aus Anlegersicht erwies sich die Zehnder-Aktie über die letzten vier Jahre unter dem Strich jedenfalls als ein Nullsummenspiel. Geld machte nur, wer in dieser Zeit in der Nähe von 30 Franken den Mut aufbrachte und einstieg.

Einstieg für gewöhnlich in zwei Akten

In den letzten Tagen erreichte der Kurs der Aktie bei 37,25 Franken allerdings ein Zwölf-Monate-Hoch. Seit Mitte August errechnet sich ein Plus von etwa 15 Prozent - ziemlich sicher auch aufgrund der Aktien-Käufe von Veraison.

Kurzfristig sind durchaus weitere Kursgewinne möglich. Geht Veraison wie üblich vor, baut der Vermögensverwalter seine Beteiligung an Zehnder weiter aus. Nach dem Ausstieg bei Leonteq dürfte es ihm nicht an nötigen Mitteln fehlen.

Über die Beweggründe für den Einstieg bei Zehnder lässt sich aus heutiger Sicht bloss spekulieren. Gut möglich, dass der neue Grossaktionär auf eine Vereinfachung der Kapitalstruktur abzielt. Denn das Unternehmen kennt zwei verschiedene Titelklassen mit unterschiedlicher Stimmgewalt.

Kursentwicklung der Zehnder-Aktie über die letzten fünf Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Ein solcher Vorstoss wäre nichts als logisch, verbirgt sich hinter Veraison doch der einstige Aktionärsschützer Gregor Greber. Mit seinem Beratungsunternehmen zRating bereitete er damals so manchem Chef einer Schweizer Publikumsgesellschaft schlaflose Nächte. Mit dabei bei Veraison ist auch Valentin Chapero, der frühere CEO des Hörsystemherstellers Sonova. 

Das letzte Wort hinsichtlich einer Vereinfachung der Kapitalstruktur hätten bei der Zehnder Group allerdings die Familien-Aktionäre. Sie vereinen 49,8 Prozent der Stimmen auf sich.

Durchwachsene Bilanz bei Beteiligungen

Ein Blick aufs Beteiligungsportfolio von Veraison verrät: Der als unterbewertet und substanzvoll geltende Turnaround-Kandidat aus dem Aargau passt geradezu ins Beuteschema. Neben der Zehnder Group hält der Vermögensverwalter auch namhafte Aktienpakete an Mikron, Goldbach Media, Komax, Orell FüssliCalida oder Ascom.

Viel Geld kostete Veraison allerdings die kurze Liebesaffäre mit Leonteq. Als der Aktienkurs im Juli letzten Jahres bei 56 Franken notierte, stieg der Vermögensverwalter in zwei Schritten ein, um im darauffolgenden Februar bei 31 Franken verärgert wieder das Handtuch zu werfen. Wenige Wochen später kaufte sich der ehemalige UBS-Verwaltungsrat Rainer-Marc Frey beim Anbieter von strukturierten Produkten ein. Seither hat sich der Börsenwert von Leonteq in etwa verdoppelt.

Doch nicht nur Leonteq, auch Mikron oder Calida machen Veraison bislang keine Freude. Besser sieht die Veraison-Bilanz dagegen bei Goldbach Media, Komax, Rieter und Ascom aus.