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Alfred Herbert: «Silber machte mich zum Millionär»

cash-Guru Alfred Herbert wird heute Dienstag 80 Jahre alt. Im cash-Börsen-Talk hält er Rückschau auf sein bewegtes Leben als Börsenhändler. Und er wagt eine Prognose auf die nächsten Börsenjahrzehnte.
30.08.2016 01:00
Von Daniel Hügli
Börsen-Talk vom 30. August 2016 mit cash-Guru Alfred Herbert anlässlich seines 80. Geburtstags.
Bild: cash

Seit Jahren kommentiert cash-Guru Alfred Herbert das nationale und internationale Börsengeschehen in den cash-Börsen-Talks und in seinen morgendlichen Kolumnen auf cash.ch. Heute Dienstag nun feiert Herbert seinen 80. Geburtstag. 

Ein Vertrauensarzt habe ihm, dem Hobby-Flieger, kürzlich beschieden, es gehe ihm besser als manchem 50-jährigen Linienpiloten, sagt Herbert im Spezial-Börsen-Talk zu seinem runden Geburtstag. An der Gesundheitsfront also alles in Ordnung bei Fredi.

Und an der Börse? Da sieht die Lagebeurteilung etwas anders aus. Seit 1953 ist Herbert an den Märkten dabei, als Händler war er in Zürich, London, Mailand, Paris und Zürich aktiv. "Die Börse ist unpersönlich und nüchtern geworden", sagt Herbert in seiner persönlichen Rückschau. Dies ist eine Folge der Abschaffung des Ringhandels in den 1990er Jahren. Die Computerisierung des Handels bringe auch viel mehr Informationen, zudem auch viele falsche, so Herbert. Generell gehöre das Filtrieren von Informationen zu den wichtigsten Aufgaben für heutige Börsianer.

Viel ist in der Tat geschehen in über 60 Jahren an den Finanzmärkten, aber die goldene Regel für Leute, die an der Börse aktiv sind, bleibt die gleiche: "Selbstdisziplin", sagt Herbert. "Man muss seine Gefühle beherrschen und stets cool bleiben." Gleichwohl müsse man die Emotionen an den Märkten richtig interpretieren, ohne sich davon anstecken zu lassen.

cash-Chefredaktor Daniel Hügli (links) gratuliert im Börsen-Talk Alfred Herbert (rechts) zu dessen 80. Geburtstag.

Seine Emotionen zurückhalten musste Herbert auch in Marktlagen, die viel Nerven kosten, in denen er aber am meisten Geld verdiente: In fallenden Märkten. "Ich habe den Grossteil des Geldes in der Baisse verdient", sagt Herbert. Speziell Silber war für ihn lukrativ: "Die Spekulationen im Silber machten mich zum Millionär."

Herbert, in Nizza als Sohn eines Mühlebauers geboren und in Basel aufgewachsen, lobt zwar den Ansatz des "Buy and hold", also das Kaufen und das Halten von Aktien über längere Zeit. Dennoch setzt Herbert hinter diese Anlegerhaltung mit Blick auf die Börsen der letzten 15 Jahre, die durch starke Volatilität gekennzeichnet war, zunehmend auch Fragezeichen. 

"Kaufen kann jeder Trottel, aber Verkaufen ist reine Charaktersache. Neun von zehn Leuten können nicht verkaufen", sagt Herbert. Und ganz der ehemalige Händler fügt er an: "Ich habe immer schneller verkauft als gekauft."

In die Börsenzukunft schaut Herbert, der seit längerer Zeit mit seiner Frau Erika in Rapperswil-Jona wohnt, mit sehr gemischten Gefühlen. Da sind nicht bloss die zwei Crashes in den letzten 15 Jahren (Dotcom-Blase 2001 und Finanzkrise 2008), die "enorm" am Anlegervertrauen in die Börsen und Aktienanlagen gekratzt hätten. Die Börsen würden auch zunehmend "verpolitisiert", sowohl auf den Ebenen Politik wie Geldpolitik. "Die Probleme werden eher zunehmen, ich sehe die Börsen weiter auf der Schotterstrasse. Das ist eigentlich besorgniserregend. Gleichzeitig bin ich froh darüber, dass das nicht mehr meine Sorge ist."

Sehen Sie hier den cash-Börsen-Talk zum 80. Geburtstag von cash-Guru Alfred Herbert.