Allzeit-Rekord in Griffnähe - Markttechniker sind optimistisch für den SMI

Nur noch wenige Prozent trennen den Swiss Market Index von seinem Rekordhoch vom August 2007. Sind schon bald neue Bestmarken möglich? cash hat vier Markttechnikexperten auf den Zahn gefühlt.
14.05.2017 23:04
Von Lorenz Burkhalter
Den SMI trennen nur noch wenige Prozent von seiner bisherigen Bestmarke.
Den SMI trennen nur noch wenige Prozent von seiner bisherigen Bestmarke.
Bild: cash

Steigt der Swiss Market Index (SMI) auf 10'000 Punkte, wie einige Strategen vermuten? Oder fällt er gar von seinen in den letzten Tagen erklommenen Mehrjahreshöchstständen nach unten zurück?

Eine Antwort auf diese ziemlich entscheidenden Fragen könnte die Markttechnik liefern. Sie versucht anhand von Kursbildern aus der Vergangenheit Rückschlüsse auf die zukünftige Kursentwicklung zu ziehen. Denn Anleger reagieren immer wieder ähnlich auf gewisse Situationen.

Michael Riesner von der UBS ist einer der bekannteren Markttechniker der Schweiz. Erst vor wenigen Tagen sorgte der Stratege für Aufruhr, als er den amerikanischen S&P-500-Index nach einem mehrmonatigen Anstieg als "vorläufig ausgereizt" bezeichnete.

SMI in Reichweite zur Bestmarke vom August 2007

Ähnliches gilt für den SMI, nachdem dieser die von Riesner angegebene Zielregion um 9'040 Punkte kurzfristig sogar überschossen hat. Er hält das Börsenbarometer denn auch für überkauft. Mit anderen Worten: Eine Verschnaufpause ist nach dem Anstieg der letzten Wochen überfällig.

Der SMI nähert sich den Höchstständen vom Sommer 2007 (Quelle: www.cash.ch)

Deswegen voreilig das Handtuch zu werfen wäre Riesner zufolge allerdings ein Fehler. Nach einer mehrwöchigen Konsolidierung traut er dem SMI bis in den Sommer hinein einen weiteren Anstieg zu. Ob dabei das bisherige Rekordhoch vom August 2007 bei rund 9'550 Zählern fällt, darüber schweigt sich der Stratege vorerst aus.

Riesner hält das Börsenbarometer in der Region von 8'700 Punkten für gut gegen unten abgestützt. Spätestens dort sieht er bei Rückschlägen wieder Käufer in den Markt kommen.

Dividendenabgänge erweisen sich als bremsend

Nicht weniger zuversichtlich äussert sich der für Julius Bär tätige Mensur Pocinci in der neusten Ausgabe der "Technical Investment Strategy". Nachdem der SMI vor wenigen Tagen die Hürde bei 8'750 Zählern überspringen konnte, sieht er das Börsenbarometer weiter steigen. Der Stratege gibt zu bedenken, dass es sich beim SMI um einen Preisindex handelt und Dividendenabgänge zu dessen Lasten gehen. Ohne Verzerrung durch die abgehenden Ausschüttungen würde das Börsenbarometer längst neue Rekorde verzeichnen, so schreibt er weiter. Tatsächlich befindet sich der um Dividendenabgänge bereinigte Swiss Market Index (SMIC) schon seit Tagen auf Rekordjagd.

Der dividendenbereinigte SMIC (rot) im 12-Monats-Vergleich mit dem SMI (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Dass auch die beiden Schwergewichte Roche und Nestlé unter Aufrechnung der Dividendenabgänge neue Höchststände erreicht haben, erachtet Pocinci als ermutigend. Deshalb rät er Anlegern am Schweizer Aktienmarkt voll investiert zu bleiben.

Mit neuen Rekorden beim SMI rechnet auch Edouard Garrana von Kepler Cheuvreux. Er sieht das Börsenbarometer noch vor Ende Monat auf 9'200 Punkte steigen und anschliessend neue Kraft für einen Angriff auf die 9'550 Zähler sammeln.

Noch keine Anhaltspunkte für eine Trendwende

Zurückhaltender geben sich seine Berufskollegen bei der Genfer Privatbank Pictet & Cie. Sie schätzen den SMI sowohl kurz- als auch langfristig neutral ein. Sollte das Börsenbarometer in die Region von 8'685 bis 9'000 Punkte zurückfallen, sehen sie darin allerdings eine günstige Einstiegsgelegenheit.

Mit einem grösseren Rückschlag rechnet vorläufig kaum ein Markttechniker. Für gewöhnlich geht eine Trendwende denn auch mit einer sogenannten Trendumkehr-Formation einher. Die bekannteste unter ihnen ist die sogenannte Schulter-Kopf-Schulter-Formation, welche beim SMI schon die Talfahrt der Jahre 2007/08 ankündigte. Nicht selten ist man rückblickend dann aber klüger, als während dem die Formation entsteht.