Die Aktie von Amrize fällt um 8,8 Prozent auf 38,14 Franken. Grund für den rapiden Kursverfall sind die Zahlen zum zweiten Quartal, die das Management um CEO Jan Jenisch am Donnerstag nachbörslich vorgelegt hat. Der Baustoffkonzern verzeichnete zwar einen höheren Umsatz, konnte die gestiegenen Kosten aber nicht vollständig auffangen, sodass die Gewinnzahlen unter den Erwartungen ausfielen. In der Folge wurde der Ausblick angepasst.
Die Guidance für den Umsatz wurde angehoben, während jene für den operativen Gewinn (Ebitda) gesenkt wurde. Das impliziert, dass der Kostendruck auf absehbare Zeit anhält.
Eine gute Volumenentwicklung - besser als die Konkurrenz - mit solider Preisgestaltung - schlechter als die Konkurrenz - und eine Erholung im Bereich Envelope sei durch eine geringere als erwartete Profitabilität im Bereich Baustoffe ausgeglichen worden, schreibt Vontobel-Analyst Mark Diethelm. Als Grund für die tiefe Profitabilität nennt er die durch den Ölpreis verursachte Kosteninflation.
Diethelm stuft Amrize mit «Buy» ein, das Kursziel sieht er bei 53 Franken. Ähnlich hält es der zuständige Analyst der Zürcher Kantonalbank, Martin Hüsler, der beim «Übergewichten»-Rating für den Baustoffkonzern bleibt. Die Aktie werde mit einem Abschlag gegenüber den US-Konkurrenten gehandelt und weise ein Aufwärtspotenzial von über 30 Prozent auf.
Nachfrage aus den Bereichen Rechenzentren, Infrastruktur und Energie treiben das Wachstum
Konkret nahm der Umsatz von Amrize um 8,6 Prozent auf 3,49 Milliarden US-Dollar zu, wie das vor gut einem Jahr von Holcim abgespaltene Unternehmen am Donnerstagabend mitteilte. Organisch lag das Wachstum bei 6,7 Prozent. Dazu habe die Nachfrage nach Grossprojekten in den Bereichen Rechenzentren, Infrastruktur und Energie beigetragen, wird in der Mitteilung CEO Jan Jenisch zitiert. Geholfen haben aber auch Preiserhöhungen.
Die grössere Sparte Building Materials steigerte die Verkäufe um 8,2 Prozent auf 2,45 Milliarden Dollar und die kleinere, Building Envelope, die auf Dachausrüstungen spezialisiert ist, gar um 9,4 Prozent auf 1,05 Milliarden. Amrize begründet das starke Wachstum von Building Envelope insbesondere mit einem Volumenwachstum, welches das Marktwachstum übertroffen habe.
Der höhere Umsatz stütze auch die Gewinnziffern. So legte der um Sonderkosten bereinigte operative Gewinn (Adj. EBITDA) um 5,8 Prozent auf 986 Millionen Dollar zu und das Reinergebnis um 14,4 Prozent auf 476 Millionen. Die Ergebnisse wurden einerseits von höheren Preisen für Zuschlagstoffe und andererseits durch die Einsparungen des Programms «Aspire» gestützt.
Als Quartalsdividende soll wie schon für das Startquartal ein Betrag von 0,11 Dollar je Aktie ausgeschüttet werden.
Umsatzprognose erhöht, Gewinnprognose gesenkt
Der Ausblick für das Gesamtjahr 2026 wird angepasst. Neu peilt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 12,5 und 12,7 Milliarden Dollar an, bisher lag die Prognose im Bereich von 12,29 bis 12,52 Milliarden. Die Vorhersage für den bereinigten EBITDA wird dagegen gesenkt auf neu 3,1 bis 3,2 Milliarden Dollar. Zuvor wurde ein Wert zwischen 3,25 und 3,34 Milliarden in Aussicht gestellt. Die angepasste Prognose widerspiegle einerseits die gestiegene Nachfrage und andererseits die höhere Inflation.
Darüber hinaus sieht sich das Unternehmen mit dem Kostenprogramm «Aspire» auf gutem Weg. So sollten damit im laufenden Jahr insgesamt Einsparungen von 80 Millionen Dollar erzielt werden.
(cash/AWP)

