Angst bei Finanzprofis: So profitieren Anleger

Einer US-Grossbank zufolge grassiert in der Finanzindustrie und anderswo die Angst vor Jobverlusten. Das hat Folgen auf Investitionsempfehlungen und -verhalten. Wie Anleger aus dieser Angst Kapital schlagen können.
26.05.2015 12:09
Von Lorenz Burkhalter
Bank of America Merrill Lynch sagt, wie sich die Job-Angst der Finanzprofis zu Geld machen lässt.
Bank of America Merrill Lynch sagt, wie sich die Job-Angst der Finanzprofis zu Geld machen lässt.
Bild: Bloomberg

Der amerikanische Aktienmarkt klettert von einem Rekord zum nächsten, die Banken und Versicherungen fahren wieder Quartalsgewinne in Milliardenhöhe ein. Dennoch ist seit der Finanzkrise der Jahre 2007/08 nichts mehr wie es einmal war: In einem Kommentar berichtet die Bank of America Merrill Lynch von Job-Ängsten, welche sich von Analysten über Strategen bis in die Finanzabteilungen grosser Unternehmen hinein ziehen.

Diese Angst führe zu einer Zurückhaltung der Finanzprofis, Risiken einzugehen, so schreiben die Studienverfasser. Und sagen, wie sich für Anleger aus dieser Angst Kapital schlagen lässt:

1) Kaum noch Investitionen in zukünftiges Wachstum

Den Experten zufolge sitzen viele amerikanische Unternehmen auf umfangreichen Barmitteln. Auch das sei eine Folge der Angst der Entscheidungsträger vor einem Verlust des Arbeitsplatzes. Anstatt in zukünftiges Wachstum zu investieren, kaufe eine rekordhohe Anzahl von Firmen eigene Aktien zurück.

Der Grenznutzen solcher Aktienrückkaufprogramme lasse jedoch immer mehr nach. Die Experten setzen deshalb auf Aktien von Unternehmen, welche beispielsweise über hohe Ausgaben für die Forschung und Entwicklung in zukünftiges Wachstum investieren. Solche finden sich vor allem im Technologie- sowie im Biotechnologiesektor.

2) Einheitsmeinung bei den Aktienanalysten

Bei den Aktienanalysten mache sich die Job-Angst in einer einheitlichen Meinung bemerkbar, so die Studienverfasser. Selten zuvor hätten die Gewinnerwartungen so dicht beieinander gelegen. Der Grund: Viele Analysten orientieren sich bei ihren Annahmen an den Zielsetzungen der Unternehmen selber, um möglichst ein geringes Risiko einzugehen. Die Experten raten daher zu Aktien von Unternehmen mit positivem Überraschungspotenzial.

3) Fondsmanager sichern sich ab

Fondsmanager setzen derzeit weder auf noch gegen eine wirtschaftliche Erholung. Die Wetten auf konjunkturabhängige Aktien und solche auf defensive Titel würden sich in etwa die Waage halten, so schreibt die amerikanische Grossbank. Die zuständigen Strategen empfehlen in diesem Zusammenhang zum Verkauf von anleiheähnlichen Aktien.

4) Jetzt auf ungeliebte, langweilige Standardwerte setzen?

Eine Ausnahme machen die Experten bei den Aktienfonds aus. Wie sie schreiben, ist die Abweichung vieler Fonds von den Vergleichsindizes auf den höchsten Stand seit nahezu fünf Jahren gestiegen. Obschon die Aktien von grosskapitalisierten Unternehmen fundamental attraktiv seien, würden viele Fondsmanager derzeit auf Aktien von kleinen und mittelgrossen Firmen setzen. Der Bewertungsaufschlag dieses Marktsegments befinde sich folglich in auf einem historischen Höchststand. Bei der Bank of America Merrill Lynch setzt man deshalb auf vernachlässigte Titel grosskapitalisierter Unternehmen.