Anlagekosten - Beispiellos niedrige Fondsgebühren dürften noch weiter sinken

Der Druck auf die Vermögensverwalter nimmt zu, die bereits beispiellos niedrigen Gebühren im nächsten Jahr noch weiter zu senken. Hintergrund ist der Konkurrenzdruck durch günstige Passiv-Anlageprodukte wie ETF.
13.12.2020 16:10
Luftaufnahme von Downtown Manhattan, New York.
Luftaufnahme von Downtown Manhattan, New York.
Bild: imago images / Dominik Bindl

Laut einer Umfrage der amerikanischen Privatbank Brown Brothers Harriman plant mehr als die Hälfte der Vermögensverwalter, die Gebühren 2021 zu reduzieren. Laut dem Finanzdatendienst Morningstar haben auch die durchschnittlichen Entgelte in Europa ein Rekordtief erreicht.

Da Anleger Geld aus aktiv verwalteten Fonds abziehen und in billigeren passiven Fonds parken, ist die in Europa gezahlte durchschnittliche Gebühr seit 2013 um fast ein Drittel gesunken. Laut Morningstar liegt sie bei nur noch 0,69 Prozent. Der Druck auf Gebühren und verwaltetes Vermögen dürfte den aktiven Managern weitere Kopfschmerzen bereiten und die Konsolidierung in der Branche anschieben.

"Manager müssen sich Gedanken machen und sich selbst einer kritischen Überprüfung unterziehen", sagt Shawn McNinch, Geschäftsführer für Investor Services und Leiter des US-Sales bei Brown Brothers Harriman.

Zwei Milliarden aus aktiven Fonds abgezogen

An der Umfrage der Gesellschaft haben mehr als 50 Führungskräfte teilgenommen, die ein verwaltetes Kapital von über 18 Billionen Dollar beaufsichtigen. "Die Herausforderung für mittelgrosse Vermögensverwalter besteht darin, sich wirklich darauf zu konzentrieren, wo sie anders sind und wo sie Mehrwert schaffen können."

Bei den billigsten 25 Prozent der Fonds in Europa verzeichneten passive Portfolios in diesem Jahr bis Oktober Zuflüsse von 10,1 Milliarden Euro, schreibt Morningstar. Aus aktiven Fonds dagegen wurden 2 Milliarden Euro abgezogen. Der Rückgang der Gebühren wurde von passiven Fonds angeführt, wobei der zunehmende Wettbewerb um Gelder auch die Gebühren für börsengehandelte Fonds drückte.

Die durchschnittlichen Gebühren des zunehmenden Kreises von Fonds, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren berücksichtigen, unterschreiten die Provisionen ihrer Nicht-ESG-Pendants noch.

Es herrscht ein Preiskrieg

Selbst die auf Passivfonds spezialisierte Vanguard Group bekommt den Druck des Preiskampfs zu spüren. Mit wachsender Konkurrenz im Segment haben sich die Nettozuflüsse zu ihren Fonds in diesem Jahr verlangsamt.

Von einem Teil ihrer globalen Expansionspläne hat die Fondsgesellschaft in den letzten Monaten einen Rückzieher gemacht. Vanguard hat ein verwaltetes Vermögen von 6,3 Billionen Dollar mit der einst konträren Idee angesammelt, mit Kostensenkungen für Anleger prosperieren zu können.

Fusionen helfen bedingt

Im Bereich der aktiven Vermögensverwaltung hat die Konkurrenz bereits zu Fusionen geführt. So hat Franklin Resources dieses Jahr Legg Mason gekauft. Die Ergebnisse der Konsolidierung sind bisher allerdings durchwachsen. Janus Henderson und Standard Life Aberdeen ist es seit ihrer Fusion vor drei Jahren nicht gelungen, Mittelabflüsse einzudämmen.

Mehr als ein Drittel der Manager in der Brown-Brothers-Harriman-Umfrage gab an, sie würden die Gründung neuer passiver oder börsengehandelter Fonds prüfen, die billiger sind und ihnen helfen könnten, einen Teil des von aktiven Fonds abgezogenen Geldes zurückzugewinnen. Harriman-Manager McNinch konstatiert ein völliges Umdenken.

"Die Leute betrachten ETFs anders als vor fünf Jahren", sagte er. "Jetzt verstehen Manager ETFs wirklich als Struktur selbst, weil sie innerhalb dieser aktive Produkte entwickeln können."

(Bloomberg)

 
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