Eltern, Götti oder Tante setzen vermehrt auf Wertschriften für den Nachwuchs, statt Geld auf ein klassisches Sparkonto einzuzahlen. In den letzten Jahren verspürten die Anbieter von Kinderdepots wie Zürcher Kantonalbank (ZKB), True Wealth oder UBS eine zunehmende Nachfrage nach den Produkten.
Die meisten Kinderportfolios können von Anfang an auf den Namen des Kindes eröffnet werden, in diesem Fall läuft die Übergabe bei Erreichen der Volljährigkeit nahtlos. Deklariert wird das Depot bis zur Volljährigkeit in der Steuererklärung der Sparenden, beispielsweise die Eltern. Danach muss das Kind das Portfolio in der eigenen Steuererklärung angeben.
Ist das Kind bereits ab Eröffnung Kontoinhaber, ist das Vermögen geschützt und quasi unantastbar. Bei einer Pfändung, einer Privatinsolvenz oder einem Konkurs der Eltern ist das angesparte Geld in der Regel geschützt und fällt nicht in die Konkursmasse.
Eine Umfrage von cash.ch bei vier Anbietern zeigt auf, was verschiedene Angebote unterscheidet. Wer ein Konto erstellt, sollte sich im Vorhinein insbesondere darüber Gedanken machen, wer Eigentümerin des Depots sein wird, in welche Produkte investiert werden soll und wie die Übergabe beim 18. Geburtstag des Kindes gehandhabt wird.
Wie hoch ist der Mindestbetrag für eine Investition und welche Gebühren fallen an?
Bei True Wealth können Eltern ab 1000 Franken Geld für ihre Kinder investieren. Ein Konto können sie ohne Mindestbetrag eröffnen, angelegt wird das Geld jedoch erst, wenn mindestens 1000 Franken auf dem Konto liegen. Die Verwaltungsgebühr bei True Wealth ergibt sich aus dem Gesamtvermögen von Eltern und Kind bei True Wealth und liegt zwischen 0,25 und 0,5 Prozent, heisst es auf Anfrage von cash.ch. «Wie bei jeder Erstinvestition fallen einmalig geringfügige implizite Transaktionskosten (z.B. Spreads) und Stempelabgaben an; insgesamt bewegen sich diese Nebenkosten im Promillebereich», schreibt True Wealth.
Das Invest-Angebot von cash.ch und der Bank zweiplus bietet kein spezielles Kinderdepot mehr an, da die Nachfrage zurückging. Sparende können für den Nachwuchs ein Depot erstellen und dafür eine individuelle Bezeichnung setzen, etwa den Namen des Kindes. Einen Mindestbetrag gibt es dabei nicht und es gelten die regulären Gebühren für ein Depot bei der Bank.
Die ZKB bietet für Kinder das ZKB Fondsportfolio an. Die Mindesteinlage für das Angebot beträgt 50 Franken, wobei die ZKB diesen Betrag bei neugeborenen Kindern bis zum ersten Altersjahr übernimmt, schreibt die Bank auf Anfrage von cash.ch. Zu den Gebühren für Kinderportfolios macht die Bank keine Angaben.
Für ein Kinderportfolio mit «UBS key4 smart investing» beträgt der Mindestbetrag ebenfalls 50 Franken, wobei sich die Gebühren unabhängig vom investierten Betrag auf 0,45 Prozent belaufen. Auch hier wird das Konto direkt auf den Namen des Kindes eröffnet.
Welche Anlageprodukte stehen zur Auswahl?
Bei True Wealth schlägt der Algorithmus des Robo Advisor basierend auf angegebenen Anlagezielen und Risikoprofil ein Modellportfolio vor. Eltern, Tanten oder Göttis können dieses Portfolio anschliessend individuell anpassen, erklärt der Anbieter: «Unser Baukasten umfasst rund 100 ETFs, mit denen sich die gewünschte Strategie präzise abbilden lässt.»
Da es sich bei der Bank zweiplus nicht um ein spezielles Kinderportfolio handelt, sondern um ein gewöhnliches Wertschriftendepot, steht Eltern, Onkeln und Gottis die ganze Bandbreite an Anlageprodukten zur Verfügung: Das gesparte Geld kann selbstständig in Aktien, Obligationen, ETFs, Anlagefonds oder strukturierte Produkte, Warrants und Optionen investiert werden.
Das Risiko des Kinderportfolios bei der ZKB bestimmen die Eltern bei der Eröffnung selbst. Es stehen fünf Profile zur Auswahl, von «sicherheitsbewusst» bis «chancenorientiert». Dabei handelt es sich um eine Ein-Fonds-Lösung, die in einen Swisscanto Portfoliofonds investiert ist.
Die Anlageentscheidungen werden auch von den Sparenden getroffen. «UBS unterstützt sie bei der Fondsauswahl, indem das individuelle Risikoprofil ermittelt und mit der Risikoklasse der Fonds abgeglichen wird», schreibt die Bank auf Anfrage. Bei der UBS können Eltern das Geld für den Nachwuchs in Anlagefonds sowie ETFs der Grossbank investieren. Zur Auswahl stehen «Anlagen zu Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder hohe Dividenden sowie mit regionalem Fokus». Kundinnen und Kunden können dabei selbstständig bis zu fünf Fonds auswählen oder aufgrund von Anlagedauer und Risikobereitschaft einen Vorschlag erstellen lassen.
Auf wen läuft das Konto, wie läuft die Übergabe bei Volljährigkeit?
Das Depot bei True Wealth läuft auf den Namen des Kindes. Erreicht das Kind das 18. Lebensjahr, läuft das Portfolio nahtlos weiter, ohne dass eine Liquidation oder Neuinvestition nötig ist. Ab diesem Zeitpunkt verfügt das Kind selbstständig über das Vermögen. Bereits vor der Volljährigkeit kann das Kind auf Wunsch der Eltern ein eigenes Login für die Einsicht ins Depot erhalten. «Das bietet einen wertvollen Lerneffekt: Kinder erleben die Wertentwicklung hautnah mit und lernen frühzeitig, dass sich ein Portfolio von Marktschwankungen langfristig in der Regel wieder erholt.»
Falls die erwachsene Person nichts unternimmt, bleibt das Depot bei der Bank zweiplus auch nach Erreichen der Volljährigkeit des Kindes in ihrem Besitz. Eine Übertragung der Wertschriften sei aber möglich, wie die Bank auf Anfrage schreibt. Dementsprechend gibt es auch keine automatische Übertragung oder Auszahlung an das volljährige Kind.
Bei der ZKB kann «die Eröffnerin oder der Eröffner festlegen, auf welchen Inhaber das Fondsportfolio lauten soll», schreibt die Kantonalbank. Läuft das Konto auf den Namen des Kindes, ist es selbst Inhaber des Geldes. Als geschütztes Kindesvermögen wird es in diesem Fall bis zur Volljährigkeit von den Eltern oder Erziehungsberechtigten verwaltet. Beim Geschenksparen ohne Depot ist die Eröffnerin oder der Eröffner Eigentümer. Mit 18 muss allerdings nicht fertig sein mit Sparen, wie die ZKB erklärt: «Das Depot kann weiterhin auf den Namen des Kindes investiert bleiben.» Aus Anlegersicht macht es Sinn, das Geld weiter investiert zu lassen, sofern das möglich ist. Das zeigt ein Rechenbeispiel der ZKB für die Renditechancen über die Jahre:
Bei einer monatlichen Einzahlung von 50 Franken ab Geburt des Kindes und der Anlagestrategie «Ausgewogen» hat das Kind mit 18 Jahren ein erwartetes Vermögen von 15’600 Franken. Auf dem Sparkonto wären es 10’800 Franken. Zahlen Eltern oder das Kind selbst danach weiterhin 50 Franken pro Monat auf das Konto ein, steigt der erwartete Wert des Depots mit 25 Jahren auf 25’200 Franken.
Hinweis: Bei dieser Berechnung handelt es sich um eine Prognose aufgrund von ökonomischen Modellen und statistischen Methoden, ohne Berücksichtigung von Gebühren.
Auch bei der UBS läuft das Konto auf den Namen des Kindes. Daher geht das sogenannte Verfügungsrecht mit Erreichen der Volljährigkeit direkt aufs Kind über. Danach kann es auch in diesem Fall selbst entscheiden, ob es das Depot weiterführt oder Anteile veräussert.
Neben den vier befragten Anbietern gibt es auf dem Schweizer Markt weitere Angebote. Anlegerinnen und Anleger sollten diese prüfen und das Produkt auswählen, das am besten zu ihren Bedürfnissen und ihrer Risikobereitschaft für das Geld des Kindes passt.

